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Sehr geehrte Damen und Herren der Medien!
Ich wende mich an Sie, weil ich der Meinung bin, dass sich in meinem Beruf
etwas ändern muss. Dafür scheint es mir zuerst die Allgemeinheit über den
Beruf "Kraftfahrer" zu Informieren um zu zeigen was wir leisten und wie weit
der Staat die moderne Art der Versklavung befürwortet und daraus noch seinen
Nutzen hat.
Anfang des Jahres 1998 saß Ich vor Gericht als Angeklagter wegen
Unfallfahrerflucht. Sicher ist dies Nebensache, aber was dort geschah ist
mit keinen Worten zu Beschreiben.
Trotz geringer Beweislast wurde ich Verurteilt zu 1800 DM Geldstrafe und
einen Monat Fahrverbot. Aufgrund der Befangenheit des Richters, der vor
meiner Verhandlung eine Schramme an seinem frisch lackierten PKW, vermutlich
von einem LKW hatte, und ich der erste LKW Fahrer war den er Verurteilen
kann. Selbst auf den Hinweis, dass die Verurteilung meinen Arbeitsplatz
gefährdet und meiner Familie das Täglich Brot nimmt lies in kalt und sprach
es wäre ihm egal, weil bei 5 Mill. Arbeitslosen wurde es auf einen mehr oder
weniger auch nicht ankommen, und natürlich der übliche Spruch, (Sie als
Berufskraftfahrer mussten das ja einkalkulieren).
So bis dorthin habe ich mich beruhigt und die Verurteilung hingenommen (da
auch das Geld fehlte um weiter zu machen) aber jetzt wo ich mich mehr ais
korrekt auf der Straße verhalte kam es vor, dass ein anderer LKW-Fahrer mich
überholte und wie üblich mit einem zu geringen Abstand einscherte. Kurz
darauf erfolgte eine Abstandskontrolle. Diese Vorkommnisse bewegten mich
jetzt mit Hilfe von ihnen vielleicht etwas zu ändern.
Nicht nur dass wir die Familien wochenweise allein lassen und so manche Ehe
dabei zu Bruch geht, von den Spediteuren ausgebeutet werden, zu einen Gehalt
arbeiten der in der Höhe einer Putzfrau liegt unsere Arbeitszeiten oft nicht
bei 10 Stunden endet sondern zwischen 15 und 18 Stunden liegen, nein das ist
nicht alles. Wenn man sich das vorstellt, dass all dies auch noch von der
Gesetzesseite erlaubt ist und der Staat dadurch auch noch etwas verdient
(Versteuerung der Spesen, Autobahnbenutzungsgebühr; die Kommunen ihr
zusätzliches Geld durch die Strafen verdienen) werden wir auch noch
beschimpft und als Verkehrshindernis dargestellt. Ich bezeichne dies als
Moderne Art der Sklavenhaltung.
Doch denkt einer mal darüber nach, wird er feststellen, dass all das was er
täglich braucht, oder arbeitet von uns den LKW-Fahrern teilweise über Nacht
heran gebracht wurde. Firmen sparen Lagerkosten (Time in Time, Baustellen
Termine absprechen um Krankosten zu sparen, Expresslieferungen zugunsten der
Kundschaft).
Sicher sagt sich der ein oder andere jetzt, dass man dies auch anders
befördern kann. Aber fährt die Bahn vielleicht auf die Baustellen und hält
die Termine ein, wie weit bindet sie sich an den Transportverträgen
(Versicherungsschutz)? Was helfen Sozialvorschriften wenn sich keiner daran
hält, ganz davon abgesehen, für wen sind diese, für Menschen oder Sklaven?
Auszug aus den Tarif und Sozialvorschriften:
Z. B. Arbeitszeit: Der Fahrer muss innerhalb 24 Stunden 9 Stunden Standzeit
haben, daraus folgt: Er kann 15 Stunden Arbeiten und Ab- oder
Aufladetätigkeiten in die 9 Stunden mit einfließen lassen. In den 9 Stunden
kann er essen, waschen, schlafen - reicht das Ihnen?
Allein die Tariflöhne zeigen, dass hier etwas getan werden muss (für
Alleinfahrer: 228 bis 244 Stunden 4084 DM, Zweierbesatzung: 259 bis 278
Stunden 4565 DM - Überstunden werden nicht bezahlt).
Spesengeld: Abwesenheit von zu Hause ab 9 Stunden 10 DM steuerfrei ab 14
Stunden 20 DM steuerfrei ab 24 Stunden 46 DM steuerfrei.
24Stunden sind es nur wenn die Abwesenheit von 0 Uhr bis 24 Uhr ist.
Man kann sich vorstellen was die meisten Firmen an Spesen bezahlen. Um noch
etwas zu verdeutlichen: 46 DM solle für 24 Stunden ausreichen
- um zu Frühstücken ( ca. 9 DM - um zu Mittagessen ( ca. 15 DM) - für den
Kaffee (ca. 5 DM)
- um zu Abendessen ( ca.15 DM ) - Sonstiges : Duschen ( 3 bis 5 DM) -
Toilettenbenutzung etc.
Auch hier verdient der Staat durch Steuern und Staatlicher Verpachtung der
Autobahnraststätten. Wir können nicht zum nächsten Aldi fahren!
Wir lieben unseren Beruf deswegen nehmen wir so manches in Kauf, unsere
Familien verstehen dies, aber was ist, wenn aufgrund der Berufsausübung
etwas passiert, z.B., einer den Führerschein verliert wegen Punkte,
Übermüdung, UnfaII oder nur weil er sich an die Sozialvorschriften hält
gekündigt wird. Wochenarbeitszeiten in zwei Wochen 90 Stunden. Gehen daran
Existenzen kaputt, wo ist der Schutz des Arbeiters oder der Familie? Wir,
die mehr Kilometer fahren als die Allgemeinheit (ca.: 180.000 km/Jahr),
Unfälle teilweise verhindern, werden bestraft ohne Rücksichtnahme auf
Familie und Soziales.
Sicher ohne Bestrafung geht's nicht, aber ist hier ein Umdenken nicht
möglich? Ich Vergleiche dies einfach maI mit einem normalen Arbeiter der am
Fließband steht und etwas fallen lässt. Es ist Ausschuss, wir haben keinen
Ausschuss, nicht einmal eine Toleranzebene.
Im heutigen Konkurrenzkampf wird es nicht leichter die Vorschriften
einzuhalten, im Gegenteil man ist gezwungen noch mehr zu leisten ( Termine,
mehr zu Transportieren) und die Vorschriften zu missachten um ein klein
wenig mit den Ausländischen Spediteuren schritt zu halten.
Allein für den Fahrer wird es immer komplizierter seine Fahrpausen
einzuhalten da zuwenige Standmöglichkeiten vorhanden sind oder er versucht
einfach mal nach Hause zu kommen.
(Standpause: Nach 4, 5 Stunden Fahrt muss eine Pause von 45 Minuten
eingehalten werden).
Um ein Ende des Schreibens zu finden möchte ich nur noch ein Beispiel
aufführen:
Es ist Sommer der LKW-Fahrer fährt am Sonntagabend los und kommt morgens
nach einer Fahrtzeit von 10 Stunden zum stehen. Jetzt kann er Schlafen. Aber
wie? Es ist draußen eine Temperatur von knappen 30 Grad. Im Fahrzeuginneren
weitaus mehr. Also bleibt es nur ein Dösen. Nach 9 Stunden Pause fährt er
unausgeschlafen weiter. Aufgrund des Termins kann er es sich nicht erlauben
noch einmal stehen zu bleiben und mit etwas Glück kommt er ohne Zwischenfall
an.
Noch einmal - an diesem Beispiel sieht man die Unmenschlichkeit der
Sozialvorschrift.
Ich hoffe dass Sie, die Medien, mit uns das Thema erfassen um die
Allgemeinheit aufzuklären und vielleicht das eine oder andere zu ändern.
Mit Freundlichen Grüßen in der Hoffnung etwas zu erreichen
St. S. (Verfasser dem Müllerman persönlich bekannt!)
PS: Bitte meinen Namen nicht Veröffentlichen, da auch ich dann um meinen
Arbeitsplatz bangen muss.
Danke |