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1&1 DSL

Deutliche Worte eines LKW- und Busfahrers

(vom 13.5.2003)

[Auf eigenen Wunsch anonymisiert - Verfasser ist dem Müllerman bekannt!]

Hallo auch,

Deine Seite ist super und prangert auch genau die richtigen Missstände an.

Leider muss ich dir mitteilen, dass es bei den Busfahrern nicht besser aussieht.

Die Arbeitszeiten sind beschissen und passen zumindest in diesem Punkt zum Lohn.

Wie immer ist das Problem vielschichtig gelagert. Die Stellen, die Linien an private Firmen vergeben, müssen natürlich so kostengünstig wie möglich kalkulieren. Meldet ein Unternehmer, dass er eine Linie aufgrund von Preissteigerungen nicht mehr zum gleichen Preis bedienen kann und fordert mehr Geld für den weiteren Betrieb dieser Linie, bekommt er als Antwort zu hören: „Dann geben sie die Linie doch ab, wir haben schon einen anderen Unternehmer, der diese Linie haben will.“
Hat der Unternehmer für diese Linie aber extra einen Bus gekauft, so muss dieser Bus, um die staatliche Förderung auf den Kaufpreis nicht zu verlieren (immerhin 150000.-DM) 8 Jahre lang zu mindestens 50% im Linienverkehr fahren. Hat er evtl. noch extra für diese Linie einen Fahrer eingestellt, so ist dessen Arbeitsplatz ebenfalls gefährdet. Also muss er Kosten reduzieren. Am Bus und dessen Betriebskosten kann er nichts einsparen, Reparaturen sind notwendig, der Verbrauch ist nicht reduzierbar, wo also sparen?

Natürlich am Lohn, dem Fahrer wird weniger bezahlt, oder wie meist üblich, er muss MEHR fahren für das gleiche Geld.

Auf diese Weise kann ein einziger skrupelloser Busunternehmer, der seinen Fahrern wenig bezahlt und Linien mit alten, meist schlecht gewarteten und zum Teil sogar defekten Bussen betreibt, der dadurch billig fährt und Linien auch noch zu niedrigsten Preisen an sich zieht, alle Löhne im regionalen Umkreis immer weiter nach unten ziehen.

Bezüglich der Kennzeichnung von Haltestellen im Linienverkehr kann ich dir nur beipflichten. Leider sind bei uns hier noch nicht mal die Haltestellen für den Busfahrer kenntlich gemacht an denen er den Warnblinker einschalten muss. Vielmehr gibt es die generelle Anweisung überall den Warnblinker einzuschalten, mit Ausnahme der Haltestellen, die in einer Negativliste aufgeführt sind. Das Problem ist diese Liste überhaupt zu bekommen. Nach mehrjähriger!!! Nachfrage hab ich eine ALTE Liste erhalten, die dem Stand entsprach, als das Gesetz gerade raus kam. Haltestellen die danach erst aufgestellt wurden, können in dieser Liste noch garnicht erfasst worden sein.

Ich denke, dass ich in 25km Umkreis der einzige Fahrer bin, der die Liste überhaupt kennt.

In allernächster Zeit werde ich wohl wieder auf dem LKW sitzen, da das Einkommen als Busfahrer mit 2 Kindern nur dann ausreicht, wenn ich die Kinder kaum noch sehe. Da gehe ich lieber zu den Spritfahrern, NUR 12 Stunden 6 mal die Woche und dabei mindestens das 1,5fache bis fast das doppelte Geld, das ist wie Urlaub für mich.

Ich fahre zwar gern und ganz besonders gern Bus oder mit dem LKW im Gelände, je enger die Strasse und je größer der Bock umso mehr Spaß macht mir das, aber als ich den Berufskraftfahrer Personenverkehr gemacht habe, wollte ich in den Reiseverkehr und meine Freundin auf lange Fahrten mitnehmen. "Leider" hat die Natur uns da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt bin ich glücklicher Vater von zwei kleinen Kindern und die will ich auch mal unter der Woche sehen, und zwar möglichst täglich. (Es tut wirklich weh, wenn deine 3jährige Tochter dich freitags anruft und darum bettelt, dass du nach Hause kommst, oder dir morgens ihr Sparschwein bringt, damit du nicht arbeiten gehen musst und mal für sie da bist.) Dazu sollte aber das Geld das dann verdient werden kann auch für den Familienunterhalt ausreichen, als Alleinverdiener.

Tatsächlich habe ich bei meinem letzten Arbeitgeber öfters die ganze Woche meine Kinder nicht gesehen,
und das im Linienverkehr.

Der schuldet mir auch noch 440 Überstunden, jedenfalls sehe ich das so und habe deshalb beim Arbeitsgericht die entsprechende Klage eingereicht. Glücklicherweise habe ich in weiser Voraussicht (bzw. wegen bestimmter Gerüchte) alle Tachoscheiben kopiert ;-)

Auch die mit den Lenkzeitverstößen ;-)

Einen Arbeitsvertrag hat in dieser Firma übrigens auch keiner.

Übrigens bin ich vor dem Bus auch 5 Jahre LKW gefahren allerdings nur einen 25Tonner, Dreiachser als Solofahrzeug mit Chemietankwechselpritsche.

Diese Firma war übrigens echt okay und hat fantastische 38,5h Woche (Mo-Do 6.45h-15.30h / Fr um 14.00h Feierabend) sowie Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld, Treueprämie, Spesen, 30 Tage Urlaub, 21.50DM Stundenlohn, Überstundenzuschlag 25% und sogar Betriebsrente, das war der Stand 1996.

Aber ich vertrug die chemischen Dämpfe nicht mehr und musste aufhören, leider. (Atemschutz gab’s nicht ;-)

Das mit Tarifvertrag für Busfahrer stimmt, aber es gibt nur einen in Bayern, sonst in keinem anderen Bundesland. Es gibt auch den MTArb, das ist der Manteltarifvertrag für Arbeitnehmer des Bundes, dort sind auch Regelungen für Bus- und, soweit ich weiss, für Kraftfahrer enthalten, aber eben nur für beim Bund beschäftigte Arbeiter.

Ich kenne hier im Umkreis nur ein einziges privates Busunternehmen, das Spesen laut Tabelle zahlt, alle anderen würden eher auf Knien vor dir rutschen als den vollen Betrag zahlen.

Es ist eine Schande, dass gerade in dem sensiblen Bereich des Transports und der Personenbeförderung strenge Regeln für die Fahrer gemacht werden, z.B. ist es in Rheinland Pfalz für jeden Busfahrer Pflicht eine MPU zu machen, und den Unternehmen wird nicht nur NICHT auf die Finger gesehen, es wird geradezu absichtlich weggesehen, wenn mal was bekannt wird.

Dabei sollte jedem Autofahrer, also auch der großen Mehrzahl der Politiker, klar sein, dass JEDES Fahrzeug eine potenzielle Waffe ist und das Gefahrenpotential mit Tonnage und Größe des Fahrzeugs mehr als linear ansteigt.

Umso schlimmer wiegt der Vorwurf an die Politiker und alle anderen dafür Verantwortlichen, den für den Transport direkt verantwortlichen Fahrern solchen Zwängen wie derzeit ungeschützt ausgesetzt sein zu lassen und den wahren Verursachern, nämlich den Unternehmern und Disponenten, einerseits kaum zu kontrollieren und andererseits sogar diesen noch durch unvorteilhafte Steuerpolitik, Knüppel in den Weg zu werfen.

Ich bin der Meinung:

An jedem Unfall, der durch Übermüdung oder Konzentrationsmängel eines zu lange fahrenden abhängig beschäftigten Kraftfahrers geschieht, tragen UNSERE? Politiker die Verantwortung mit.

D.h. die Politiker sind DIREKT mitschuldig.

Aber keine Lobby, kein Tamtam.

Ein großes Hindernis bei der Durchsetzung irgendwelcher vernünftigen Forderungen ist auch der von vielen Fahrern gepflegte, ich nenne es mal Rassismus im kleinen Rahmen, zwischen den diversen Beschäftigungsrichtungen.

Ich meine diese völlig idiotische selbstgebildete Gruppierung nach

>7,5t Fahrern

Solofahrzeugfahrern

Kieslastern

Stundenlohnfahrern

Fernfahrern

Reisebusfahrern

Linienbusfahrern

usw. usw..

Warum dieser Neid und die Missgunst untereinander?

Wem nützt das? Den Fahrern sicher nicht!

Wenn alle diese Gruppen endlich mal begreifen würden, dass sie nicht gegeneinander sondern miteinander arbeiten sollten um etwas zu erreichen, dann wäre schon viel gewonnen.

Kein Busfahrer ist was besseres nur weil er vielleicht mit Schlips fährt, nach der Fahrt muss der mit dem Schlips auch die Kaugummis von kleinen Rotznasen aus dem Aschenbecher oder vom Sitz popeln, wenn er Pech hat darf er sogar die Kotze vom Sitz kratzen. (Sogar menschlichen Stuhlgang musste ich schon vom Sitz beseitigen).

Auch der KleinLKW-Fahrer wird genauso ausgebeutet wie der stattliche Kapitän der Autobahn mit seinem 40 Tonner.

Im Übrigen ist auch das teilweise rüde Verhalten einzelner Fahrer von Grossfahrzeugen gegenüber PKWs mit schuld am schlechten Image der LKW und Busfahrer.

Natürlich gibt es massenhaft PKW Fahrer, die keine Ahnung von dem benötigten Raum eines LKW auf der Strasse oder dessen Wendekreis haben, auch dass man vor dem nächsten, für PKW ja nicht gültigen, Überholverbot ab 7,5t auf der Autobahn den langsamen Kollegen noch überholen will, um bei der nächsten Abladestelle noch vor der Mittagspause abladen zu können, versteht man erst, wenn man selbst LKW fährt oder zumindest mal mitgefahren ist.

Aber wie viele Kollegen steigen abends vom Bock und geben dann im PKW die gleiche Vorstellung ab, die sie den ganzen Tag im CB angeprangert haben?

Beispiel macht hier Schule und hilft der ganzen Berufssparte ein besseres Image zu bekommen. Also mehr lächelnde Rücksicht und Geduld und weniger rüpelhafte Gewalt auf die Strasse bringen, das hilft uns allen und kostet nichts.

Das was du von den Stellen beim Arbeitsamt behauptest, kann ich nur bestätigen. Immer die gleichen Firmennamen, immer die gleichen miesen Bedingungen und immer das Arbeitsamt im Nacken mit der Drohung, fahre oder wir entziehen dir die Existenzgrundlage.

Spätestens nach der zweiten ausgeschlagenen Stelle alá

Arbeitszeit: Vollzeit, flexibel (bedeutet mächtig lange ungünstige Arbeitszeiten, nachts, sonntags usw...)

Lohn: nach Vereinbarung (wieso wird der Betrag nicht genannt? Schlechtes Gewissen? Feiglinge!)

Anforderungen: körperlich belastbar (klarer Fall, selbst abladen, aufladen und vielleicht noch zusätzliche Arbeiten)

usw.usw

glaubt dir das Amt nicht mehr, dass du überhaupt arbeiten willst.

Das ist aber nicht nur beim Fahren so, auch in anderen Jobs wird man durch gesetzgebende Politiker, die offensichtlich NICHT zum Wohl des Volkes handeln, in die Armut, bis hin in die Sozialhilfe gezwungen.

(Andererseits machen Politiker sehr wohl Gesetze um die eigenen Taschen zu füllen, wer's nicht glaubt kann das bei „von Arnim“ nachlesen, Buchtitel: Der Staat als Beute.)

Was z.B. soll das ganze mit den Personalleasingfirmen?

Moderne Sklaverei, sonst nichts.

Die Not der Menschen wird ausgenutzt, mit staatlichem Druck obendrein, um einen Menschen in ein Arbeitsverhältnis zu zwingen, das ihm nicht die nötige Grundlage bietet, sich und evtl. seine Familie aus eigener Kraft aus der Notlage zu befreien.

Ist man dann erstmal in der untersten Lohnkaste, kann man schon durch die Androhung einer Kündigung zur kostenlosen Mehrarbeit gezwungen werden, denn bei einer Kündigung ist dann Sozialhilfe unvermeidlich.

Zudem wird dem Unternehmen, das Leiharbeiter beschäftigt, damit eine legale Möglichkeit geboten, den gesetzlichen Kündigungsschutz zu unterlaufen.

Der Leihfirma selbst werden gerade deshalb je Arbeitsstunde oft höhere Sätze bezahlt, als der Arbeiter in einer Festanstellung gekostet hätte. Die Leihfirma selbst bezahlt nur einen Bruchteil dessen aus, was sie für die Arbeit (die sie ja nicht selbst leistet) bekommt und verdient damit an der Not der Menschen.

Dazu kommt, dass ein Leiharbeiter mit Familie, der z.B. als Staplerfahrer gammlige 6€ die Stunde bekommt, wohl kaum noch große Steuerbeträge an den Staat zahlt.

Die Leihfirma selbst wird kaum so doof sein und nicht jede Möglichkeit ausnutzen so wenig Steuern wie möglich zu zahlen, sie kann ja z.B. Abschreibungen machen.

Letztendlich bescheißt sich der Staat hier selbst und hilft gewaltig den Unternehmern, auf Kosten aller Arbeiter.

Dann ist es wieder leicht und aktuell ja auch populär, wenn sich ein Politiker profiliert und schreit: Die Kassen sind leer, das soziale Netz muss neu geknüpft werden, mit viel größeren Maschen natürlich.

Wer gute und motivierte Arbeiter, nein MITARBEITER, in seinem Unternehmen haben will, der muss diese auch entsprechend bezahlen! Jedem Bauern, der sich speziell über die deutschen Arbeitslosen beklagt, weil sie sich nicht um einen Job als Erntehelfer bei ihm reißen, dem sei gesagt, dass seine Bezahlung vielleicht in Polen ein fürstliches Salär darstellt, aber in Deutschland kann man davon NICHT leben.

Es ist NICHT so, dass die Sozialhilfeempfänger zuviel bekommen, Gerichte haben das festgelegt, was ein Mensch mindestens braucht um in Deutschland menschenwürdig zu leben. Es ist einfach so, dass die Arbeiter für die geleistete Zeit VIEL ZU WENIG bekommen, deshalb ist der Abstand zur Sozialhilfe so gering! Wir reden hier ja nicht vom tariflich bezahlten Metallarbeiter, sondern von der grossen Masse der Arbeiter, die nicht z.B. in einem IG-Metall Beruf arbeiten.

Als ich bei der Bundeswehr war, gab es einen Prozess, weil ein junger Mann, den Spruch: Soldaten sind potenzielle Mörder! auf seinem Auto hatte.

Natürlich unnötiger Stress, schließlich stimmt es ja auch, ein Soldat hat die Macht einen Menschen zu ermorden (jeder andere übrigens auch) und hat eine Waffe, mehr sagt es ja nicht aus.

Tatsächlich ist aber jeder Politiker auch ein potenzieller Staats- und Volksverräter, jedenfalls weit potenzieller als die meisten anderen Bürger.

Und tatsächlich sieht ist es doch so aus, dass nach den bisher bekannt gewordenen Skandalen über Selbstbedienung der "Staatsdiener/Selbstbediener" offensichtlich ein wesentlich höherer Anteil an tatsächlichen Staatsverrätern unter den Politikern weilt, als es tatsächliche Mörder unter den Soldaten gibt.

Ich muss jetzt aufhören, ich schreib mich da langsam in Rage ;-)

Die Missstände im Staat sind skandalös und ich glaube nicht, dass es jemals von Seiten der Politik Hilfe für die Fahrer geben wird, jedenfalls nicht so lange es in der Bevölkerung nicht populär ist, sich für diese Berufsgruppe stark zu machen.

Das ist der weitere Zusammenhang, solange das Image der Trucker aller Art schlecht ist, wird es von Politikern keine Hilfe geben.

Einzige Hilfe ist derzeit vielleicht zu erwarten von der Rechtsprechenden Gewalt. Die Gerichte sind die einzige Instanz, die im Interesse von Gleichbehandlung, die Firmen dazu zwingen könnten menschlichere Arbeitsbedingungen zu schaffen und hoffentlich wird das bald geschehen.

Ich muss allerdings in aller Form und Deutlichkeit darauf hinweisen, dass diese veröffentlichten Reaktionen und Leserbriefe immer nur die Meinung des jeweiligen Autors wiedergeben! Die Verantwortung liegt also alleine beim jeweiligen Verfasser! Dargestellte Sachverhalte geben nicht automatisch auch die Meinung des Müllerman wieder! Zu jedem Beitrag existiert jeweils zumindestens eine E-Mail-Adresse - wenden Sie sich dorthin, falls Sie sich mit dem jeweiligen Autor persönlich auseinander setzen wollen! Danke für die freundliche Beachtung! Sollte ein Beitrag auf Wunsch des Verfassers anonymisiert veröffentlicht worden sein und Sie sich an diesen wenden möchten, dann nehmen Sie bitte mit mir Kontakt auf! Ich habe in diesen Fällen die jeweilige Kontakt- oder E-Mail-Adresse.


Übersicht für die Besucherreaktionen + Leserbriefe:

01. Handzettel: "Zu lange am LKW-Steuer: Keine Bagatelle !!!!

02. Der Transit und die Berufskraftfahrer

03. Sehr offene Worte und Anklage des Kollegen Joachim Schulz / Minden

04. Ein offener Brief an die Medien

05. Musste wegen eines Rechtsstreits des betreffenden Verfassers offline genommen werden

06. Deutliche Worte eines LKW- und Busfahrers

07. Gelten das Arbeitszeitgesetz und der Arbeitsschutz NICHT für Fernfahrer?!!

08. Infos zur allgemeinen Sicherheitslage in Spanien für Fernfahrer + Touristen

09. LKW-Transitproblematik in Tirol - Eine bemerkenswerte Meinung dazu aus der Tiroler Bevölkerung



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