IMPRESSUM

Birgit´s Report einer Fernfahrerehe

 

27. August 2004 >>> Thema:

"Swen - der Unglücksrabe..."

 

Hallo ihr lieben.

Mein Mann und ich haben jetzt 7 Wochen Horror hinter uns.

Wie ihr wisst, hat sich Swen nen doppelten Bänderriß zugezogen. Ok so weit so gut. Nach drei Wochen Krankheit dachte ich, er würde nun bald wieder arbeiten gehen. Da kam er auf die glorreiche Idee unter unserem Balkon einen Abstellplatz für unsere Motorräder zu bauen.
OK wir haben also den Baumarkt unsicher gemacht, 250 Euro ausgegeben für Steinplatten, Splitt, Fugensand und Zubehör. Kleinlaster gemietet und unsere Schätze nach Hause gebracht. Nu in die Hände gespuckt und ran ans ausschachten. Nach 5 Stunden und vier blutigen mit Blasen übersähten Händen aufgehört.
Da sagte er Abends er hätte Bauchweh. Ich lachte und sagte: Du bist nix mehr gewöhnt Dicker und hast Muskelkater.
Am nächsten Morgen weitergemacht und siehe da nach weiteren 4 Stunden hatten wir endlich unsere knapp 10 m² ausgeschachte, trotz extremen Kampf mit den weit verzweigten Baumwurzeln.
Swen gings nicht so gut, so habe ich die 500 Kg Splitt alleine verteilt.
Dann im Affentempo hoch, da der wichtige Besuch bei meinem Patenkind anstand. Swen war ganz blass aber nicht davon abzuhalten mitzukommen. OK hab ich gedacht, so schlimm kann der Muskelkater ja nicht. sein.
Bei meinem Patenkind angekommen gings ihm immer schlechter. Hab dann nach 2 Std. den Besuch abgebrochen da er fieberte.

Ich hoffnungsvoller Fratz dachte an nen Leistenbruch.

Meine Freundin angerufen, unser Kind bei ihr geschwind in den Briefkasten geschmissen und im Eiltempo ins Krankenhaus. Dort gemütlich (ha ha) unsere 3 Stunden in der Notaufnahme verbracht bis mir mein Mann fast vor Schmerzen vom Stuhl fiel.

Nach mehrmaliger, lauter Aufregung meiner einer brachte es doch tatsächlich ein Arzt fertig sich meinen Mann mal anzuschauen. Dann ab zum Röntgen. Nach weiteren 2 Stunden die Diagnose: ??????? und der Satz: Na dann gehen sie mal ins Bürgerhospital.
Wir wissen nicht so genau was los ist. Ich kann euch sagen seit dem ist Rambo mein Dutzfreund.

Also ab nach Hause, Tasche gepackt und Männe ins Krankenhaus gebracht. Nach weiteren fruchtosen Untersuchungen lag er dann endlich um 2.00h Nachts in einem Zimmer vor Schmerzen fast wahnsinnig. Ne Stunde später fand ich dann ne Ärztin die Erbarmen hatte und ihm endlich was gegen die Schmerzen gab.

Am Morgen rief er mich dann an, dass er in das Cannstatter Krankenhaus auf die Chirugie verlegt wird. Ich wieder im Affenzahn zu ihm. Die NETTEN Menschen hätten mich nicht benachrichtigt. Warum auch? Wieso sollte ich den wissen müssen, das mein Mann verlegt wird. Ach wo...

Kam gerade noch an, wie sie ihn in den Krankenwagen gepackt haben und bin hinterher. Dort wieder 5 Stunden Untersuchungen und siehe da ne Diagnose: Schwere Dickdarmentzündung.

Da denkt sich doch kein Mensch was dabei. Oder? Na Pustekuchen Mädels. Nen Tag später teilte mir die Stationsärztin mit, dass ein sogenanntes Divertikel am Dickdarm durchgebrochen ist und der Innhalt in seiner Bauchhöle geflossen sei. Er hätter so hohe Entzündungswerte die jedes Lehrbuch sprengen. Seine Überlebungschancen stünden sehr schlecht.

Ja, und so blieb es 5 Tage lang. Ich kann euch sagen das waren sehr, sehr, sehr lange Tage.

Am sechsten Tag endlich Entwarnung. Einen Tag Ruhe und dann die nächste Hiobsbotschaft: Swen muss/soll operiert werden. Ein 40 cm langer Bauchschnitt, dann 50 cm vom Dickdarm entfernen und dann für 6 Wochen einen künstlichen Damausgang der dann wieder, so Gott will, zurückgelegt werden kann. Aber erst muss die Entzündung völlig weg sein. Durch sein Übergewicht bestünde allerdings die Gefahr, dass die Narbendecke nach innen aufplatzt.

Dann haben diese Gesäßöffnungen tatsächlich 5 Tage lang 3 mal täglich anders entschieden OP ja; OP nein usw. Ich kam mir vor wie ein Aufzugfahrer. Hoch, runter, hoch, runter...

Am Swen natürlich alles vorbei, der war nu wirklich krank genug, als das ich ihn das hätte alles wissen lassen.

Zu meiner übergroßen Freude, ich hatte ja schließlich noch genügend Belastungskapazität, rief mich sein Chef an, um mir mitzuteilen, dass das ja so nicht geht. So lange Krank sei ihm noch keiner gewesen. Dies sei ja völlig unwirtschaftlich und er sehe sich gezwungen, dass.......

Also auf diesen netten Menschen eingeredet wie auf nen lahmen Hund und ihm am Telefon was vorgeheult. Mit Erfolg, Job gerettet.

Wir haben uns dann gegen die OP entschieden. Die Risiken sind einfach zu groß. Nebenerscheinngen sind möglich wie in nem Horrorbuch. Obwohl die Möglichkeiten, dass dies wieder passiert zu 80% bestehen.

Er mampft jetzt tapfer seine ballaststoffreiche Kost. Ist sein Leinsamen und verzichtet fast komplett auf Fleisch. Seit Montag arbeitet er wieder und die Möglichkeiten für einen Fernfahrer sich gesund zu ernähren sind unglaublich schwierig. Wir haben ihm jetzt einen zwei Plattengaskocher gekauft und nun muss er eben selber köcheln. Seine Meinung dazu behalte ich nu lieber für mich. Nicht so ganz jugendfrei...


 

15. Mai 2003 (Erster Kolumnen-Beitrag!)

28. Mai 2003

2. Juni 2003

10. Juni 2003

24. Juni 2003 >>> Thema: "Frust" (ab jetzt mit Titel!)

2. Juli 2003 >>> Thema: "Handy-Rechnung"

2. Juli 2003 >>> Thema: "Arme Trucker"

9. August 2003 >>> Thema: "Urlaub"

25. August 2003 >>> Thema: "Riesenproblem - Fahrer muss zum Arzt"

1. September 2003 >>> Thema: "Alleinerziehend oder nicht???"

11. September 2003 >>> Thema: "Fernfahrer und ihre Kinder..."

25. November 2003 >>> Thema: "Meldung so zwischendrin..."
27. August 2004 >>> Thema: "Swen - der Unglücksrabe..."
8. Februar 2005 >>> Thema: "Echte Beziehungskrise"

 

Und es wäre schön, noch viel mehr Zuschriften zu diesem Thema von anderen Fahrerfrauen und Familien zu erhalten!!!

Birgit hofft auch auf einen Dialog mit anderen Betroffenen...


>>> Statements anderer betroffener Fahrerfrauen & Familien...

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