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Zu Frankreich habe ich leider nicht viel zu vermelden! Das hat vor allem
damit zu tun, dass ich nur eher selten Fahrten dorthin hatte. So berichte
ich Ihnen folgendes:
- Generell sind die Fernfahrer besser angesehen als in Deutschland. In
vielen kleineren Ortschaften fällt auf, dass selbst für LKWs auf den
Durchgangsstraßen ohne weiteres Abstellmöglichkeiten bestehen – und vor
allem würde sich hier niemand aufregen, wenn man mal über Nacht dann dort
stehen bleibt. Vorteil für den Fahrer: Er kann auch mal für günstiges Geld
essen gehen oder sich in einem Supermarkt versorgen.
- Bei Gaststätten und Lokalen, die mit dem „Le Routier“-Zeichen versehen
sind, kann man als Fernfahrer ein verhältnismäßig günstiges komplettes Menü
erhalten – inklusive oft sogar von einem halben Liter Wein.
- Sogar an Autobahnraststätten erhielt ich auf entsprechende Anfrage hin bis
zu sagenhafte 30% Rabatt auf die Mahlzeit, wenn ich zu verstehen gab, dass
ich Fernfahrer sei! Davon sind wir in deutschen Landen noch weit entfernt.
- Der Rückhalt der Fernfahrer in der Bevölkerung wird auch immer dann wieder
deutlich, wenn mal Streiks angesagt sind – und sogar Blockaden. Das ist in
der Öffentlichkeit tatsächlich so ziemlich akzeptiert, denn auch andere
Berufsgruppen in Frankreich pflegen gelegentlich gnadenlos und ohne
Rücksicht auf Verluste zu streiken. Wie in Italien verstehen die Streikenden
aber absolut keinen Spaß, wenn jemand versucht, ihre Blockade zu
durchbrechen. Da kochen dann sehr leicht die Emotionen über. Anlässlich
einer Gelegenheit bin ich zur heimlichen Freude meiner damaligen Spedition
sogar ohne Bezahlung von Autobahnmaut durch eine Zahlstelle gekommen – weil
dort gestreikt wurde. Zwischendrin wurde der Verkehr zwar immer wieder mal
angehalten, aber zahlen musste dann keiner.
- Autobahnen in bestimmten Gebieten sind abgabenfrei. Da heißt es dann genau
aufpassen und/oder eine gute Karte zu haben, wo welche Regelung gilt.
- Die Nationalstraßen sind normalerweise eigentlich auch recht gut ausgebaut
und von Seiten der Polizei hat man als LKW-Fahrer keine Probleme, wenn man
mit Tempo 80 unterwegs ist. Französische Kollegen lassen es meist sogar noch
schneller angehen und sind sehr wahrscheinlich über die oft eher zaghaften
ausländischen Kollegen nicht so begeistert. Die werden dann als
„Verkehrshindernisse“ angesehen, die bald möglichst überholt werden müssen.
Diese Regelung und Handhabung ist sehr viel realitätsnäher als bei uns, wo
man ohne schlechtes Gewissen sich auf Land- oder Bundesstraßen kaum trauen
kann, schneller als Tempo 70 zu fahren.
- Seit einigen Jahren sind die französischen Behörden ungeheuer scharf und
streng bei der Überwachung und Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten. Zu
Recht! Es soll zwischenzeitlich sogar etwa bestimmte, z.B. italienische,
Speditionen geben, deren Fahrzeuge in dieser Hinsicht oft jenseits von Gut
und Böse sind und sogar nach Möglichkeit ganz Frankreich meiden!
Die Maßnahmen zeigen also offensichtlich Wirkung und machen gewaltig
Eindruck!
Und wir sprechen ja hier auch nicht von einer eher läppischen Bestrafung wie
bei uns, sondern da schlagen jede Stunde Lenkzeitüberschreitung und
Ruhezeitverkürzung mit locker 500 Euro pro angefangene Stunde zu Buche! Und
die müssen sofort bezahlt werden – sonst steht das ganze Fahrzeug, bis die
Strafe tatsächlich beglichen ist! Spanien und zunehmend auch Belgien
beschreiten hier übrigens ähnliche Wege!
- Um der Schwarzarbeit oder Beschäftigung von Nicht-EU-Bürgern zu begegnen,
hat man auch eindeutige Maßnahmen ergriffen: so muss jeder Fahrer einen
Nachweis über seine offizielle Beschäftigung mitführen – wie etwa die Kopie
eines Arbeitsvertrages, aus der hervorgeht, wo und bei wem der Fahrer
beschäftigt ist. Nicht-Mitführen entsprechender Dokumente kostet – Sie ahnen
es schon – auch wenigstens 500 Euro.
- Zu Zeiten, als es noch keine einheitliche EU-Genehmigung gab, sondern von
jedem Mitgliedsland eigene Genehmigungen, da war es auch schon so, dass eine
nicht ordnungsgemäß ausgefüllte Genehmigung (mit der nur einige wenige
Fahrten möglich waren) schon seinerzeit mit rund 1000 Mark Strafe zu Buche
schlug.
- Frankreichs Autofahrer sind eine Sorte für sich! Der Fahrstil ist oft
unsicher und vor allem unkonzentriert. Paris ist in dieser Richtung ein
besonders wildes Pflaster.
- Zwar hat Frankreich rund 20 Millionen Einwohner weniger als Deutschland –
aber die Zahl der Unfalltoten ist um 600 höher als bei uns! Überhaupt muss
man den Franzosen eine schlechtere Verkehrsmoral als bei uns bescheinigen.
- In Ortschaften ist es geraten, sich tunlichst an geltende
Tempovorschriften zu halten. Sonst kann man leicht in eine der auch nicht
seltenen Radarkontrollen kommen und dann wird es deutlich teurer als bei
uns!
- In Zeiten offener Grenzen innerhalb der EU muss man auch mal damit
rechnen, mitten im Land – weit weg von jeder Grenze – plötzlich mal vom Zoll
kontrolliert zu werden. Übrigens auch als Auto- oder Motorradfahrer.
- Bei Kontrollen durch die Behörden gilt die gleiche Strategie wie bei uns:
freundlich bleiben und gute Miene zum manchmal bösen Spiel zu machen.
Dadurch kann man sich durchaus ebenso einen gewissen Respekt und Achtung
verschaffen!
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