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Liebe Leser und Kollegen!
Handys sind eigentlich eine großartige Sache, aber nicht ohne "Wenn und
Aber"! Heute erfahren Sie von mir zu diesem Thema informative und kritische
Anmerkungen:
Autotelefone und Handys haben erst im größeren Stil zu Mitte der 90er Jahre
in die LKWs Einzug gehalten. Rein an Handys sollen inzwischen allein in
Deutschland über 50 Millionen an den Mann und die Frau gebracht worden sein.
Für die LKW-Fahrer brachte ein eingebautes Telefon den großen Vorteil, dass
die lästige Suche nach einer Telefonzelle mit halbwegs vernünftiger
Parkmöglichkeit entfiel. Ganz schlimm war das vorher insbesondere, wenn man
nur die vage Order hatte, in eine bestimmte Richtung zwecks Rückladung zu
fahren, aber in kurzen Abständen immer wieder anrufen sollte. In der
heutigen Zeit würde man sich da noch wesentlich schwerer tun, da die Telekom
einerseits sehr viele Telefonzellen wegrationalisiert und andererseits die
früher durch ihre gelbe Farbe sehr auffälligen Telefonzellen gegen zwar
aufgestylte und "moderne", aber leider eben unauffällige ausgetauscht hat.
Von der Problematik in den 90er Jahren ganz zu schweigen, dass man nie genau
wusste, ob man auf ein herkömmliches Münz- oder ein fortschrittliches
Kartentelefon antreffen würde. Sie wissen sicher wie das meistens dann ist:
entweder mangelt es am nötigen Kleingeld oder an der Telefonkarte!
In manchen Speditionen ist man mit dem Telefon im LKW allerdings das "ärmste
Schwein". Denn so mancher Disponent bildet sich ein, dass er "alle Nasen
lang" anrufen muss und darf, um sich zu erkundigen, wie weit der Fahrer
schon ist. Selbst nachts soll so mancher Fahrer nicht seine Ruhe haben, wenn
er sich von einem verdammt langen und harten Arbeitstag erholen möchte, weil
der Firma noch irgendetwas eingefallen ist. Da hilft aber wirklich gnadenlos
nur Eines: das Telefon abschalten – und durchaus auch wenn man seine Stunde
Fahrzeitunterbrechung tagsüber für ein erholsames Nickerchen nutzen möchte.
Niemand muss ständig erreichbar sein - aber da viele üble Spediteure ihre
Fahrer ja ohnehin nur als potentielle Leibeigene ansehen, respektiert man
hier noch nicht mal das bisschen freie Zeit, das den Fahrern verbleibt.
Meine Devise war dann immer, der Firma ganz deutlich ihre Grenzen
aufzuzeigen. Ein wenig Eigeninitiative ist hier schon vonnöten, wenn man
sich nicht unterbuttern und vollständig ausnützen lassen will.
Auch bei Pannen hat sich ein Bordtelefon grundsätzlich bewährt.
Voraussetzung, dass die Hilfe dann aber auch tatsächlich schnellstmöglich
anrücken kann, ist natürlich eine klare Ahnung des Fahrers davon, auf
welchem genauen Streckenabschnitt er sich befindet. Gerade bei
Autobahnfahrten sollte man immer im Hinterkopf haben, zwischen welchen
Anschlussstellen man gerade unterwegs ist. Nur zu wissen, bei welchem
Streckenkilometer man eben steht, ist nicht ganz so hilfreich, weil selbst
auf den besten normal verfügbaren Straßenkarten dies nicht vermerkt ist.
Anders ist dies natürlich bei Benutzung einer Notrufsäule - da ist der
genaue Standort angeschrieben.
Wie das mit einer so neuen Errungenschaft, wie eben einem Bordtelefon, so
ist, hat es manchmal nicht lange gedauert und wegen geführter Telefonate der
Fahrer brachen die schlimmsten Streitigkeiten aus. Dabei handelte es sich
vorwiegend um die privat geführten Gespräche. Diese LKW-Telefone waren
anfangs für die Speditionen natürlich auch noch Neuland - ganz besonders
auch, welche Kosten mit der Nutzung verbunden waren. So fehlte es in der
Anfangszeit natürlich an klaren Vorgaben für die Fahrer.
In meiner Spedition "9", wo etwa ab 1994 oder 1995 in alle LKWs Telefone
eingebaut wurden, nutzten über 90 % der Kollegen gleich mal das neue
"Spielzeug" zum teils übertriebenen privaten Telefonieren. Spitzenreiter war
einer, der unter anderem gleich mal seine Verwandtschaft in New York über
diese neueste Errungenschaft im Lastwagen unterrichten musste. So brachte er
die ersten Wochen gleich mal eine Rechnung von weit über 1.000 DM zustande!
In der Firma fiel man aus allen Wolken, als die erste Abrechnung ankam. Und
prompt hagelte es für die erwähnten über 90 % der Fahrer Abmahnungen. Nur
zwei der Kollegen und ich bekamen keine, da wir kein einziges Privatgespräch
geführt hatten. Die anderen hatten wohl teilweise gedacht, dass ihnen für
Privatgespräche keine Kosten entstehen würden oder nicht die hohen Kosten in
Betracht gezogen. Die Abmahnungen wurden zwar kurz darauf wieder
zurückgenommen - aber von da an herrschte striktes privates
Telefonierverbot. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurden die Telefone
außerdem so gesperrt, dass nur noch eingespeicherte Nummern der Firma
angewählt werden konnten. Und von Firmenseite hatte man selbstverständlich
auch keine Lust - beim Aufwand einer Durchsicht von über 30
Einzelabrechnungen auch verständlich - jede Rechnung im Hinblick auf
angewählte Verbindungen privater Natur der Fahrer hin zu überprüfen.
Es gibt durchaus aber auch Speditionen, die ihren Fahrern ein gewisses
Kontingent an privaten Gesprächen (z.B. in Höhe von 15 Euro) zubilligen.
Dieses Zugeständnis war bis vor kurzem aber eigentlich einer Versteuerung
als geldwerter Vorteil unterworfen. Seit Anfang des Jahres 2001 gilt hier
aber eine neue Regelung, nach der private Gespräche vom Arbeitgeber-Handy
steuerfrei sind.
Sollten allerdings vom Chef diese ganz klar untersagt sein, geht der Fahrer
ein hohes Risiko hinsichtlich Abmahnung und sogar Kündigung ein, wenn er das
missachtet. Denn im Arbeitsrecht hat sich hier weiterhin nichts geändert.
So angenehm dies auch mit den Handys sein mag - im Straßenverkehr zeigt sich
schon seit einiger Zeit, dass es viele mit dieser Suchtelei gewaltig
übertreiben! Seltsamer Fahrstil ver- rät einem meist schon von weitem, dass
der Fahrer sich angeregt via Handy unterhält. Auf der Autobahn wird
plötzlich auf der rechten Spur übertrieben langsam gefahren oder die
Lenkbewegungen sind auffällig - von der sonst auch recht schlechten Reaktion
mal ganz zu schweigen! Da die Unfallzahlen wegen Handybenutzung zuletzt wohl
mit steigender Tendenz waren, wurde zum 1.4.2001 das Telefonieren im
Fahrzeug mit dem Handy in der Hand während der Fahrt verboten. Ist das Handy
dagegen fixiert und eine Freisprechanlage vorhanden, ist es weiterhin
erlaubt beim Fahren zu telefonieren. Wer sich nicht daran hält, ist in
Deutschland mit ca. 30 Euro Verwarnungsgeld dabei. Deutschland war übrigens
eines der letzten Länder in Europa, das diese Regelung eingeführt hat. In
den meisten Ländern wurde das schon früher in den Bußgeldkatalog
aufgenommen. Der Strafrahmen im Ausland bewegt sich dabei zwischen (ab) 21
Euro (Österreich) bis 138 Euro (Niederlande) – noch ohne Handyverbote sind
Großbritannien, Finnland, Irland und Schweden (Stand April 2002). Erheblich
teuere Strafen drohen aber fast überall, wenn man als Handy-Telefonierer in
einen Unfall verwickelt sein sollte!
Die ca. 30 Euro Strafe in Deutschland sind aber nach meinen Beobachtungen
für viele noch nicht Abschreckung genug - denn nach wie vor sind genügend
unterwegs, die ganz ungeniert ihr Handy ans Ohr halten und sich angeregt
unterhalten. Vielleicht sollte man von Seiten des Gesetzgebers mal noch über
eine Erhöhung des Verwarnungsgeldes nachdenken.
Mit dem, was ich schon so unterwegs mit anderen Verkehrsteilnehmern
hinsichtlich deren elenden Telefoniersucht erleben musste, bin ich auch ein
klarer Befürworter des Handyverbotes am Steuer! Die Teilnahme am
Straßenverkehr fordert ohnehin schon genügend Aufmerksamkeit - und die ist
wirklich massiv beeinträchtigt, wenn ein Handy ins (gefährliche) Spiel
kommt!
Übrigens: Nach einer Untersuchung sind telefonierende Fahrer sogar um glatte
30% (!) reaktionsschwächer als Promille-Piloten (also unter Alkoholeinfluss
stehende Fahrer)! Woraus man ja fast den Schluss ziehen kann, dass man sich
vor Leuten mit Handy am Steuer mehr als vor Besoffenen in Acht nehmen muss!
Erschreckend!
Noch was zum Schmunzeln zum Schluss: Ein "Kollege" hat in Italien
herausgefunden, warum die Toiletten dort oft so versifft sind. In einer
Toilette sah er einen Italiener beim Pinkeln. Plötzlich klingelte dessen
Handy und er nahm es mit der freien Hand. Der Anruf schien nicht sehr
erfreulich, denn er fing gleich wild zu gestikulieren und toben an -
dementsprechend wanderte der "Strahl" an der Wand entlang - nur nicht ins
Pinkelbecken...
Ich hoffe, Sie als meine Leser sind vernünftig im Umgang mit dem Handy beim
Autofahren! Kommen Sie immer sicher an Ihrem Ziel an!
WICHTIG: Lesen Sie auch den Beitrag, was mit
dem
Bußgeld-Katalog ab April 2004 in dieser Richtung auf die Fahrer
zukommt!

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