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Liebe Leser und Kollegen!
Heute teile ich Ihnen mal einige Gedanken über den Begriff „Just in Time“
mit und erkläre auch, was darunter genau zu verstehen ist. Fast jeder kennt
den Begriff – aber nur wenige haben eine Ahnung davon, was genau damit
gemeint ist und vor allem, wo hier seit weit verbreiteter Einführung dieses
Systems für uns Fahrer große Probleme bestehen!
Es ist ein Begriff, der ab den 80er Jahren zunehmend in der Branche
propagiert und in der Werbung (u.a. auf den eigenen Fahrzeugen) vermehrt
Eingang fand.
Die beste Charakterisierung, die ich dazu mal gehört habe, ist folgende
Definition:
"... ist die richtige Ware in der richtigen Menge zur richtigen Zeit am
richtigen Ort..."
Besser kann man es wohl wirklich nicht ausdrücken…
Dieses "just in time" steht in direkter Beziehung mit einem Begriff, der
erstmals von einem Team von drei Autoren 1992 geprägt wurde und der "Lean
Production" (englisch: "schlanke Produktion") heißt. Dieses bedeutet eine
Verschlankung des gesamten Produktionsaufwands mit dem Ziel, Kosten zu
senken und gleichzeitig das Produktionsergebnis zu erhöhen. Im theoretischen
Idealfall davon soll eine Halbierung der Kosten bei gleichzeitiger
Verdoppelung des Produktionsergebnisses erreicht werden.
Bezüglich der Lastwagen hat dies dazu geführt, dass zunehmend von Firmen
(vor allem aber in der Automobilproduktion!) eine eigene Lagerhaltung (die
eben mit wesentlichen Kosten verbunden ist) weitestgehend abgeschafft und
eine Anlieferung zum erforderlichen Zeitpunkt (Kriterien siehe Definition
oben!) eingeführt wurde - die Lastwagen entwickelten sich also so gesehen zu
rollenden Warenlagern.
Bei Blockaden und Streiks oder anderen Faktoren, die den Transport auf der
Straße verzögern und sogar verhindern können, zeigt sich bei Firmen, die auf
dieses Modell umfunktioniert wurden, schon sehr schnell, wie abhängig und
ausgeliefert sie sind von einer meist auf die Minute genau geplanten Ankunft
von Material und Zulieferteilen, die für die eigene Produktion benötigt
werden. Da stehen nämlich recht bald die Bänder und Maschinen still.
Den Fahrern gereicht diese Einrichtung meist - wer hätte wirklich etwas
anderes erwartet... - nicht zum Vorteil, sondern sie sind, weil es sich dann
um nichts anderes als Terminware handelt, wieder einmal mehr unter
Zeitdruck, wenn von Kunde und Spedition ein wie üblich zu enger Zeitrahmen
vorgegeben ist. Bei der Kalkulation des Zeitrahmens für solche Beförderungen
scheint man im Ablauf grundsätzlich von Idealbedingungen auszugehen - aber
wann sind die denn mal wirklich gegeben bei dem stetig steigenden
Verkehrsaufkommen?!
Auch hier scheint mir Überfälligerweise der Gesetzgeber gefragt, der hier
mal mittels seiner Gewerbeaufsichtsämter diese Abläufe genauer unter die
Lupe nehmen sollte.
Denn nach meinen Erfahrungen lassen sich das von der Wirtschaft (also wieder
einmal mehr von den Unternehmern!) so idealisierte "just in time" und die
gesetzlichen Vorgaben für LKW-Fahrer nicht so oft in Einklang bringen. Das
scheint überhaupt das größte Malheur für die Wirtschaft zu sein, dass die
Fahrer trotz allen technischen Fortschritts immer noch nicht wie seelen- und
hirnlose Maschinen funktionieren: die ihren Job machen und auf die man vor
allem keinerlei Rücksicht zu nehmen braucht! So ein Ärger aber auch...
Es zeigt sich also einmal mehr, dass nicht alles, was unsereiner als
technischer Fortschritt verkauft wird, wirklich gut ist! Statt dass der
Mensch als Arbeitnehmer tatsächlich entlastet wird, entstehen immer neue
Arbeitsprozesse, die gegenteilige Auswirkungen hervorbringen! Und das kann
es echt nicht gewesen sein…
Politik sollte nicht nur die Interessen einiger weniger, aber sehr mächtiger
und einflussreicher Gruppen vertreten, sondern für das Wohl der breiten
Allgemeinheit eintreten! Aber das wird leider nicht nur immer wieder,
sondern sogar immer mehr von den Politikern vergessen…
Trotzdem wollen wir aber nicht die Hoffnung aufgeben, dass es sich mal zum
Besseren wenden könnte! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Zeit
und sichere Fahrt im Frühjahr! Wenn Sie Fragen oder Anregungen haben, dann
schicken Sie mir doch mal eine Mail!

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