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Zu allererst mal eine
kleine Begriffsklärung zum Thema „Rumpelstreifen“. Sicher kann der ein oder
andere mit diesem Begriff überhaupt nichts anfangen und hat möglicherweise
auch keine Ahnung davon, worin durchaus auch die Vorteile derselben liegen:
Der etwas seltsame Name leitet sich offensichtlich aus der Wirkung ab: Denn
im eigentlichen Sinne handelt es sich um so genannte Strukturmarkierungen.
Und da diese in aller Regel am Fahrbahnrand auf dem Markierungsstreifen
(manchmal auch in der Fahrbahnmitte) angebracht sind und ein Fahrzeug, das
zufällig über sie fährt (übrigens wirkt das auch bei schwersten LKWs!), von
den Reifen her gewissermaßen zum „Rumpeln“ anfängt (es entsteht eine
unangenehme, laute Lärmkulisse und im Lenkrad sind unter Umständen auch
Vibrationen spürbar), hat sich eben umgangssprachlich dieser Name
eingebürgert.
In den USA scheint man schon seit längerer Zeit damit positive Erfahrungen
gesammelt zu haben und in Europa gab es erste Teststrecken damit erst etwa
seit Beginn der 80er Jahre. Zu diesem Zeitpunkt hatte man in mehreren
Ländern Europas durch die Auswertung von verschiedenen Statistiken
herausgefunden, dass bei Dunkelheit die Zahl der Verkehrsunfälle
un-verhältnismäßig höher lag als etwa tagsüber (wenn man dazu das jeweilige
gesamte Verkehrsaufkommen in Relation setzte). Und das vor allem bei
schlechten Witterungsbedingungen. So setzte man also auf die Entwicklung von
neuen, besser sichtbaren Markierungssystemen für den Straßenverkehr.
Folgendes Problem galt es dabei zu lösen: Wie konnte man die in den
Fahrbahnmarkierungsmaterialien vorhandenen so genannten Reflexperlen über
den bei Regen entstehenden Wasserfilm herausheben? So kam man also auf die
Entwicklung von Strukturmarkierungen, mit denen dieses Problem weitestgehend
gelöst werden konnte. Durchaus positiver Nebeneffekt dabei ist eben die
Geräuschentwicklung, die entsteht, wenn ein Fahrzeug darüber rollt.
Drei Typen von Strukturmarkierungen haben sich am besten bewährt: Flocken,
Folien und Rippen. Wobei letztere unter Umständen eben in den schon
vorhandenen Fahrbahnrand-Markierungsstreifen eingefräst werden.
Diese Strukturmarkierungen, die übrigens in der Aufbringung oder Herstellung
einen wesentlich höheren Preis haben als die üblichen Markierungen, bieten
dabei also folgende erhebliche Vorteile: zum einen bieten diese Randstreifen
bei Nässe und Regen eine erhöhte Nachtsichtbarkeit und zum anderen erregen
sie beim Überfahren deutlich mehr Aufmerksamkeit.
Soweit zu dieser zugegebenermaßen etwas langatmigen, aber durchaus
notwendigen Einleitung.
Prinzipiell handelt es sich hier also um eine sehr sinnvolle Sache. Das will
ich gar nicht in Abrede stellen. Um so mehr nicht, weil auch durch etliche
Untersuchungen in mehreren Ländern nachgewiesen werden konnte, dass auf
Strecken, die damit nachgerüstet wurden, die Zahl der Unfälle, die
wahrscheinlich ermüdungsbedingt passierten, durchaus zurückging.
Aber wie das wiederum in der Bundesrepublik Deutschland umgesetzt und
gehandhabt – und vor allem eben der Öffentlichkeit verkauft wird, das muss
ich doch in aller Schärfe und Deutlichkeit anprangern!
Aus verschiedenen Veröffentlichungen in den Medien habe ich in den letzten
Jahren sehr deutlich lesen können, dass diese Rumpelstreifen gewissermaßen
als letzter Schrei der Technik und der heutigen Möglichkeiten – fast schon
als Wundermittel - herausgestellt werden, um vor allem Übermüdungsunfälle
von Kraftfahrern zu verhindern.
Von diesen Rumpelstreifen erwartet man sich nämlich immerhin generell, dass
sie einen eingeschlafenen Kraftfahrer wieder rechtzeitig aufwecken, wenn
dieser mit seinem Fahrzeug auf den Seitenstreifen gerät! Würde ich jetzt
sarkastisch werden wollen, dann müsste ich jetzt sagen, dass das für einen
eben eingeschlafenen Fahrer ja dann recht nett sein muss, wenn er unter
Umständen gerade noch einmal rechtzeitig wach wird, damit er seinen in
Sekunden-Bruchteilen möglicherweise bevorstehenden Tod noch gewissermaßen
„live“ miterleben darf… Und was ist, wenn der eben eingeschlafene Fahrer
nicht, wie wohl erwartet, nach rechts, sondern nach links – möglicherweise
in den Gegenverkehr! – abkommt…
Ich selbst sehe die Rumpelstreifen als gute Maßnahme, um unaufmerksame
Fahrer im wahrsten Sinne des Wortes wieder auf den „rechten Pfad“ zu bringen
– aber nicht als „Allheilmittel“, um schon ohnehin übermüdete Fahrer auf der
Spur zu halten! Das ist nichts anderes als ein gefährlicher Aberglaube, hier
den Leuten etwas anderes weismachen zu wollen…
In ganz Deutschland sollen ja auf allen Strecken, wo es häufiger zu Unfällen
wegen Übermüdung kommt, am Fahrbandrand (ausgenommen sind hier Gebiete mit
Anwohnern wegen der Lärmbelästigung) diese Rumpelstreifen angebracht werden.
Na dann – Prost Mahlzeit! Welch geniale Logik…
Aber ich sehe hier ganz klar einen Fall von extrem falscher Sparsamkeit:
denn da wird nicht wirklich versucht, die nur zu gut bekannten wahren
Ursachen von Übermüdung von Kraftfahrern (und vor allem von den
LKW-Fahrern!!!) zu bekämpfen!
Viele Kraftfahrer, vor allem aber alle LKW-Fahrer, würden nur zu gerne
zwecks einer kürzeren oder auch längeren Pause und vor allem wegen selbst
festgestellter Übermüdung einen Parkplatz ansteuern!
Aber: in deutschen Landen gibt es entlang der Autobahnen und auch
Bundesstraßen nur eben viel zu wenig Parkplätze! Gerade nachts wird es für
jeden LKW-Fahrer zum wahren Lotteriespiel, ob er an seiner Strecke unterwegs
einen freien Parkplatz bekommen wird. Da muss dann – zunehmend übermüdet
oder erschöpft! – eine Raststätte nach der anderen und ein Parkplatz nach
dem anderen abgeklappert werden. Glauben Sie mir, dass ich das selbst schon
oft genug erlebt habe! Dass Raststätten über Nacht oft so katastrophal
zugeparkt sind, hat allein mit der Tatsache zu tun, dass es nirgends
ausreichend Parkplatze für den Schwerverkehr gibt in Deutschland.
Und genau in dieser Tatsache liegt der wahre Skandal unfähiger deutscher
Verkehrspolitik: man spart am falschen Ende und verkauft den Leuten
Tatsachen mit dem falschen Etikett! Realität ist ja, dass die Einrichtung
neuer Parkplätze noch viel teurer kommt als diese Strukturmarkierungen. Weil
man aber nicht willens ist, diese wirklich überfällig nötigen Parkplätze in
ausreichender Zahl zu schaffen, da mutet es einfach lächerlich an, wenn dann
von Seiten des Verkehrsministeriums damit rumgetönt wird, dass man doch für
die Einrichtung von neuen Parkplätzen in den nächsten zehn Jahren (!)
vermeintlich so sagenhafte 250 Millionen Euro ausgeben möchte.
Da sage ich in aller Deutlichkeit nach Berlin: „Jungs – das ist trotzdem nur
ein Tropfen auf einem heißen Stein!“
Die alten Scheuklappen müssen endlich weg und die Politiker den Tatsachen
ins Auge sehen:
So kommt eine neuere ADAC-Untersuchung zu dem katastrophalen und
bedenklichem Ergebnis, dass jedes Jahr allein bei LKW-Verkehrsunfällen wegen
Übermüdung 350 Menschen verletzt und sogar 20 getötet werden!
Vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft gibt es noch weitere
Aussagen zur Thematik: So sollen jährlich insgesamt geschätzte 75 Menschen
ums Leben kommen nur auf Autobahnen, weil sie eingeschlafen sind.
Derselbe Verband schätzt auch in einer neueren Studie, dass sogar jeder 4.
tödliche Verkehrsunfall (!) in Deutschland durch Schlafen am Steuer
verursacht wird!
Diese Zahlen sollten Anlass genug sein, sofort wesentlich mehr Mittel
flüssig zu machen für den reichhaltigen und durchdachten Ausbau und die neue
Einrichtung von Parkplätzen. Und zwar mit deutlichem Schwerpunkt auf viel
mehr Standplätzen für den Schwerlastverkehr!
Nur in Berlin scheint niemand etwas davon zu wissen… - da kann man mal
sehen, wie gut heutzutage Politiker von der Öffentlichkeit abgeschirmt
werden: in jeder Beziehung keinen blassen Schimmer, was beim Volk draußen
wirklich Realität ist!
Jede Nacht ist in irgendeinem Verkehrsfunk zu hören, dass „mal wieder“ ein
LKW von der Fahrbahn abgekommen ist! Na – raten Sie mal warum?!!
Lesen Sie hierzu bitte auch meinen kritischen Artikel zur Thematik und
Problematik der
Parkplätze!

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