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Der Begriff der „Spaß-Gesellschaft“ ist ja in den
letzten Jahren zunehmend häufiger in den Medien aufgetaucht. Und so wie es
ausschaut, ist dieser Ausdruck weitestgehend nicht positiv besetzt, sondern
drückt gewisse negative gesellschaftliche Entwicklungen der heutigen Zeit
aus. Zum Ausdruck kommt dabei ja auch, wie weit verbreitet heutzutage ein
oberflächliches Denken und Handeln in Mode gekommen ist - und sich Egoismus
ausbreitet.
Sicher betrifft dieses Phänomen nicht alle. Aber es ist doch festzustellen,
dass es zwischenzeitlich recht viele Leute gibt, die – sagen wir das mal in
aller Deutlichkeit – über zuviel Freizeit verfügen und vielleicht teilweise
über zuviel Geld. Obwohl man letzteres angesichts der katastrophalen
Wirtschaftslage in Deutschland wahrscheinlich nur noch von recht wenigen
Zeitgenossen sagen kann.
Und Freizeitgestaltung hat in der heutigen Zeit sehr viel auch mit Mobilität
zu. Und da sind wir auch schon bei einem ersten Berührungspunkt mit den
LKW-Fahrern.
Dieser recht unternehmungslustige Teil der Spaß-Gesellschaft macht in nicht
eben marginalen Teilnehmerzahlen auch die Straßen unsicher – im wahrsten
Sinn des Wortes. Und insofern da die Autobahnen betroffen sind, so muss es
nach Meinung und Ansicht vieler dieser Leute dann ja auch grundsätzlich
schnellstens möglich sein, von A nach B zu kommen. Ein Punkt, der für sich
selbst schon als schizophren anzusehen ist. Denn wer über (zu) viel freie
Zeit verfügt, gerade der sollte doch mit der nötigen Muße unterwegs sein
können. Bekanntermaßen kommt man ja mit einer ausgewogenen und vernünftigen
Fahrweise am Entspanntesten an seinem Ziel an. Und kann sich dann der
geplanten Aktivität und Unterhaltung noch viel ausgeglichener widmen.
Auffällig in diesem Zusammenhang mit der übertriebenen und unnötigen Eile
ist es ebenfalls, wie wenig sich auch diese Leute an vorgeschriebene
Geschwindigkeitslimits halten. Und da ist es ja nicht mit 10 km/h
Überschreitung getan – nein, es müssen schon wenigstens 20 bis 30 km/h mehr
sein. Dass das nicht nur auf Kosten ihrer eigenen Sicherheit, sondern vor
allem auch auf die der anderen Verkehrsteilnehmer geht, ist ihnen reichlich
egal…
Denn wer sonst in seinem Berufs- und Privatleben nicht mehr genug
Nervenkitzel und spannende Sachen erlebt, der scheint in der heutigen Zeit
das in aller Deutlichkeit im Straßenverkehr soviel als möglich nachzuholen.
Da wird also mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit gefahren, kein
Sicherheitsabstand gehalten und eher dem Vordermann in krimineller Weise
sehr dicht an die Stoßstange aufgefahren. Devise: „Hoppla – jetzt komm ich!
Aus dem Weg!“
Wenn ich also so „gemütlich“ im LKW mit meinem Tempo 80 bis 90 km/h
unterwegs bin auf der Autobahn, glaube ich es oft fast nicht, wie viele Pkws
auf der Überholspur hintereinander in kürzesten Abständen an mir vorbei
preschen. Als wenn niemals die Notwendigkeit eintreten könnte, dass man mal
plötzlich bremsen müsste. Mancher hat dann ja schon mal Erfahrungen sammeln
dürfen, wenn überraschend eine Brücke auftauchte, an der dann tatsächlich
auch mal eine Abstandskontrolle stattfand. Da geht dann plötzlich der ganz
große Schreck durch diese Kolonne von eiligen Dränglern auf der Überholspur
– häufig mit den bekannten und schlimmen Folgen von Unfallserien.
Es sieht so aus, als würde es seit rund zwanzig Jahren Teilen unserer
Gesellschaft viel zu gut gehen. Woher sonst käme diese Popularität von
vielfach gefährlichen Trend-Sportarten…?! Mit Bungeejumping ging es circa
1978 mal los und immer neue Sachen werden seitdem angeboten, die viel
Nervenkitzel und aber auch reelle gesundheitliche Gefahren bieten. Wenn ich
das schon höre: "... da steh ich dann voll unter Adrenalin..."
Die vermeintlich „billige“ Methode wird dann im Straßenverkehr praktiziert
und man holt sich diesen gewissen „Kick“ dann dort – und viel zu oft auf
Kosten unschuldiger anderer Verkehrsteilnehmer. Das eigene Fahrkönnen wird
meist überschätzt und die Fahrweise nicht den örtlichen Gegebenheiten oder
Straßenverhältnissen angepasst. Aber das ist ja soo spannend, wenn man
wieder mal an seine Grenzen gehen kann und z.B. eine bestimmte Strecke in
einer noch schnelleren Zeit fahren kann…
Erschreckend ebenfalls, wie häufig nicht nur alkoholisiert am Straßenverkehr
teilgenommen wird, sondern wie es die letzten Jahre zunehmend festzustellen
ist, dass unter dem Einfluss verschiedener Drogen gefahren wird. Nicht
selten in der lebensgefährlichen Kombination mit Alkohol!
Wo bleibt da eigentlich das Verantwortungsgefühl und
die Rücksicht gegenüber den anderen…?!
Das ist wohl „uncool“…
Ein wichtiger Bestandteil dieser Spaß-Gesellschaft ist auch ihre
Konsumfreudigkeit. Und hier finden wir dann den zweiten, erheblichen
Berührungspunkt mit den LKW-Fahrern.
Natürlich freut es – zu Recht! – die Wirtschaft und im Hintergrund dann auch
unseren Staat, wenn fleißig konsumiert wird. Aber – irgendwo müssen die zu
konsumierenden Waren auch herkommen! Und mit örtlichen oder heimischen
Produkten und Erzeugnissen ist es ja heutzutage nicht mehr getan! Nein – es
hat sich allgemein eingebürgert, dass das Sortiment beim Händler oder
Supermarkt aus aller Herren Länder stammen muss. Und möglichst günstig und
schnell verfügbar soll es ja auch sein!
Jedoch: Die Logistik dieses immerwährenden Nachschubs kann nur gewährleistet
werden, wenn es eben die LKWs Tag und Nacht, Tag für Tag an jedem Wochentag,
in jeder Woche, jedem Monat und Jahr möglich machen!
Allein in Deutschland sorgen über 250.000 Fernfahrer und dann nochmal weit
über zwei Millionen andere LKW-Fahrer für den immer und permanent benötigten
Nachschub. Die im Grunde genommen unselige Erfindung des „Just in time“ und
die uralte Devise „Zeit ist Geld“ fordern hier eben ihren Preis. Und den
Einsatz von so sehr vielen LKWs! Die Bahn bringt es nämlich nicht – weder
von der Transportkapazität und schon gar nicht in Sachen der heutzutage
unumgänglichen Pünktlichkeit. Wenn z.B. Südfrüchte oder Gemüse und Obst, das
hier zwar auch wächst, aber eben nur zu einer bestimmten Jahreszeit, das
ganze Jahr verfügbar sein sollen, dann müssen sie also z.B. irgendwo aus
Südeuropa eingeführt werden. Transport per Flugzeug ist in der Regel zu
teuer und die Bahn ist viel zu langsam (bekanntermaßen haben Obst und Gemüse
eine sehr begrenzte Haltbarkeit!). Also was lediglich bleibt: die Fernfahrer
müssen das Zeug besorgen! Viele von ihnen unter kriminellem Zeitdruck und
mit viel zu wenig Schlaf!
Aber wen kümmert das von der Spaß-Gesellschaft? Konsumgüter haben gefälligst
zur Verfügung zu stehen und das nach Art des „Just in time“ – also in
ausreichender Menge am richtigen Ort zur richtigen Zeit. Und natürlich
immer! Vom Ladenschlussgesetz her wird es ja nicht mehr lange dauern – und
dann wird vieles sogar rund um die Uhr zu kaufen sein. Viele Fernfahrer wird
das vielleicht sogar freuen: haben sie doch dann auch mal die Chance, wenn
sie zuhause ankommen, dass sie selbst noch zum Einkaufsbummel losziehen
können. Und nicht immer alles der Lebensgefährtin oder Ehefrau überlassen
müssen.
Und das ist ja wirklich das Schizophrene im Verhältnis der Spaß-Gesellschaft
zu den Fernfahrern: gerade diese gesellschaftliche Gruppe empfindet uns im
täglichen Straßenverkehr als sehr lästig und lässt kein gutes Haar an den
LKW-Fahrern. Denn wir scheinen ihnen von ihrer zu vielen freien Zeit etwas
zu nehmen. Was für ein schöner Vorwand, dann die Fernfahrer insbesondere auf
den Fernstraßen mit immer mehr (Überhol-)Verboten zu gängeln…
Und wo bleibt die wirklich freie Fahrt für den
unentbehrlichen (!!!) Güterverkehr…
Und wollen oder können diese Leute nicht einsehen, dass ihr schönes
tägliches Leben ohne den täglichen und nie endenden Nachschub, den vor allem
und fast ausschließlich wir, die so häufig geschmähten LKW-Fahrer, ihnen
unter einem sehr hohen persönlichen Preis (viel zu viele Arbeitsstunden,
schlechte Bezahlung, kaum Freizeit, gesundheitliche Belastungen, kaum Zeit
für eigene Beziehungen und Hobbies, etc. etc.) liefern, nichts als eine
Illusion wäre?!
Die Fern- und LKW-Fahrer hätten es – verdammt nochmal! – verdient, dass man
ihnen mit mehr Respekt oder aber wenigstens Verständnis entgegenkommt! Und
nicht nur dieses oberflächliche und miese Image über diese große
Berufsgruppe pflegt. Betrüblich in diesem Zusammenhang ist auch die so
häufige unqualifizierte und deutlich voreingenommene Berichterstattung
vieler einschlägiger Medien. Gerade die hätten es in der Hand – wenn sie
denn wollten (aber leider ist das nicht so verkaufs- und auflagenträchtig…)
– hier wirklich viel zu bewegen! Auch was politische Entscheidungsfindungen
angeht...
Was nicht in der Öffentlichkeit als Skandal gebrandmarkt ist, interessiert
doch niemanden im politischen Berlin. Insofern ist es doch auch
bemerkenswert – obwohl die bedenkliche Situation der LKW-Fahrer seit
Jahrzehnten bekannt sein sollte und sich die Zustände ja noch immer weiter
verschlechtern – mit welcher Ignoranz man die Thematik behandelt und wie
blind man sich da stellt.
Nachdem Bundeskanzler Schröder schon zuletzt
ausreichend mit „Letzten Hemden“ versorgt wurde, könnten ihm und seinem
Verkehrsminister jetzt eigentlich Wecker zugeschickt werden, damit ihnen
klar wird, dass es höchste Zeit ist, endlich aufzuwachen…
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