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Das erlebte ich unerwartet im Januar 2000 und es war
wirklich ein langer und vor allem anstrengender Tag – aber ich muss zugeben,
langweilig wurde es nicht…
Es ging so los, dass ich beabsichtigte, einen neuen Job – wieder einmal –
bei einem norditalienischen Spediteur anzufangen. Um die Arbeit anzutreten,
bot sich ein früherer Kollege, der auch aus Augsburg stammte und der selbst
für den bewussten Arbeitgeber fuhr, an, mich mit seinem LKW mitzunehmen.
Als Abholzeit war eigentlich zwei Uhr morgens vereinbart worden. Aber der
Kollege verschlief und tauchte erst gegen fünf Uhr auf. Sie können sich
vorstellen, dass ich so auch nicht eben viel Schlaf abbekam!
Sein LKW war ein Renault Magnum mit Tieflader – geladen war ein mächtiges
Kettenfahrzeug von Caterpillar. Mit angeschalteten Rundumleuchten (die
Ladung hatte Überbreite) ging es also in Richtung Italien.
Unterwegs erzählte mir der Kollege, dass wir wohl ein Gesamtgewicht von 44
Tonnen hätten und das gerade noch von der Genehmigung abgedeckt sei. Nur
seltsamerweise rief er noch vor der österreichischen Grenze beim zuständigen
Fuhrparkleiter an, wie es denn um die LKW-Waage auf einem bestimmten
Parkplatz an der Inntalautobahn bestellt sei. Die Anweisung lautete, an der
ersten Tankstelle in Österreich, Angath, zu warten, bis er einträfe.
Tatsächlich kamen wir zeitgleich an und so lernte ich erstmals den Mann, mit
dem ich rein telefonisch (!) meine Bewerbung und den Arbeitsantritt
klargemacht hatte, kennen. Ich sollte nämlich kurz vor Trento „meinen“ LKW
mit Ladung übernehmen. Dieser Fuhrparkleiter war übrigens ein Österreicher
und in Kufstein wohnhaft. Bei dem Treffen erhielten wir die Information,
dass die Waage zurzeit nicht durch die Gendarmerie benutzt wurde.
Der Kollege erschien dadurch etwas erleichtert, was mein Misstrauen weckte…
Es ging also gleich weiter. Die zuvor erhaltene Information war allerdings
falsch gewesen – tatsächlich war die automatische Beschilderung auf der
Inntal-Autobahn so eingerichtet, dass jeder LKW über diesen Parkplatz mit
Waage zu Kontrollzwecken fahren musste!
Der Kollege zeigte sich überraschend recht kaltblütig, ignorierte die
Beschilderung und zog eiskalt an dem Parkplatz vorbei. Erstaunlicherweise
wurden wir nicht von der auf dem Parkplatz präsenten Polizei verfolgt.
Der Transit durch Österreich ging also glatt. Die Überraschung sollte aber
an der Mautstelle in Sterzing folgen: Mein Kollege erhielt Anweisung, auf
die dortige Waage zu fahren. Und dort stellte sich doch glatt heraus, dass
wir nicht ein Gesamtgewicht von rund 44 Tonnen hatten, sondern sogar in Höhe
von 52 Tonnen!
Also hieß es erstmal einige Stunden stehen bleiben und dann auf den dortigen
Autohof neben der Mautstelle fahren. Die Italiener kennen bei solchen
Vergehen kein Pardon: harte und teure Strafen werden dafür verhängt! Zu
Recht, wie ich meine!
Dem Kollegen drohten mehrere hundert Mark Strafe und er bangte um seinen
Führerschein. Die Zugmaschine verlor für die Zeit von wahrscheinlich einem
Jahr ihre Zulassungsberechtigung in Italien (konnte aber durchaus weiter nur
im Ausland eingesetzt werden!) und außerdem erlosch die benutzte Konzession
für Schwertransporte bis 44 Tonnen Gesamtgewicht! Eine Weiterfahrt zum
Bestimmungsort war nur noch zulässig, wenn soweit abgeladen wurde, dass das
Gesamtgewicht auf die nur bewilligten 44 Tonnen nicht überschritten war.
Wie ich selber noch herausfinden sollte, waren diese Katz und Maus-Spiele in
dieser gewissen Spedition aber an der Tagesordnung…
Der Fuhrparkleiter wurde natürlich sofort über die Probleme informiert und
er rückte in seinem Pkw aus Kufstein an. Nach einem Cappuccino ging es
gleich wieder zurück nach Kufstein – ich musste mitfahren und sollte in
Kufstein einen Mercedes-Transporter übernehmen. Meine Reisetasche ließ ich
solange bei dem Kollegen in Sterzing – der hatte ohnehin eine längere
Wartezeit dort vor sich.
Bis wir in Kufstein ankamen, war es schon Spätnachmittag und es begann
dunkel zu werden. Wie vorgesehen, übernahm ich den Transporter und düste
zurück nach Bella Italia. Da fuhr ich an diesem Tag bereits das dritte Mal
über den Brenner.
Im Autohof von Sterzing ging ich mit dem Kollegen noch Essen, packte meine
Sachen ein und fuhr Richtung Trento weiter. In dem Nest, wo ich „meinen“ LKW
übernehmen sollte, traf ich dann am späten Abend ein. Mir war noch nicht
einmal das Kennzeichen dieses LKWs mitgeteilt worden und so musste ich mir
erst einmal von den herumstehenden den richtigen heraussuchen. Es war der,
wo der Zündschlüssel in der Stossstange deponiert war! Und das in Italien…
„Mein“ LKW war ein mächtiger Iveco-Dreiachser mit 520 PS und einem
vierachsigen Tieflader, auf dem ein großer und massiver Metallblock geladen
war. Abmessungen etwa: 2,5m x 2,5m x 0,5m. Laut Kennzeichnung darauf mittels
Spray sollte das Teil 18 Tonnen wiegen. Allerdings fand ich kurz darauf im
Führerhaus einen Wiegeschein, aus dem klar ersichtlich war, dass der
Metallblock in Wahrheit das Doppelte wog! Gesamtgewicht der kompletten
Fuhre: über 64 Tonnen!
So machte das plötzlich auch Sinn, warum der Fuhrparkleiter gesagt hatte,
ich solle nach Möglichkeit ohne Rundumleuchten fahren. Die Genehmigungen an
Bord lauteten ja für Italien auch nur auf 44 Tonnen Gesamtgewicht.
Was übrigens das tatsächliche technisch zulässige Gesamtgewicht laut
Prüfbericht des TÜV in Rosenheim anging, durfte dies sogar bei etwa 73
Tonnen liegen! Die Frage war eben „nur“, ob für den jeweiligen Transport
entsprechende Genehmigungen von den jeweiligen Behörden erteilt wurden – und
das war hier offensichtlich nicht der Fall.
Da hatte ich ja wieder eine „saubere“ Firma an Land gezogen…
Ich startete also, denn ich sollte noch bis auf den Brenner fahren, wo schon
ein Kollege mit einem anderen LKW auf mich wartete – gemeinsam mit ihm
sollte ich dann die Fahrt nach Wuppertal antreten. Er hatte auch so einen
Metallblock geladen.
So traf ich gegen Mitternacht auf dem Parkplatz oben auf dem Brenner ein und
kam dadurch fast auf eine vierte Überquerung an einem Tag.
Meines Bleibens in dieser dubiosen Spedition sollte es allerdings nicht
lange sein – schon knapp eine Woche später erhielt ich meine fristlose
Kündigung, weil ich mich bei einem anderen Transport geweigert hatte, für
den Österreich-Transit die Frachtpapiere zu fälschen und es daher bei einer
überraschenden Kontrolle im Salzburger Land zu einer Zurückweisung nach
Deutschland gekommen war (so nebenbei: für das Salzburger Land hatte mein
Zug wenigstens 10 Tonnen zuviel Gewicht – ich meine mich an ein
Gesamtgewicht von deutlich über 50 Tonnen erinnern zu können…).
Aktuelle Auswahl an kurzen
Geschichten:
An einem Tag fast 4-mal über den
Brenner
Italienischer
Fahrstil
Abends an der
Schweizer Grenze
Pause - eine Frage
der Auslegung
Ein krimineller
Tankzugfahrer
Lesen Sie bitte auch meine 20 Kolumnen "Müllerman´s
kritischer Blick auf das Fernfahren"
mit folgenden aktuellen Themen:
01.
Seit langem Gesetz –
aber kaum ein Fernfahrer hat einen: DER ARBEITSVERTRAG
02.
„Elefanten-Rennen“
03.
Zu lange am LKW-Steuer:
Keine Bagatelle!
04.
„Blender“
05.
„LKW-Fahrerinnen“
06.
HERBST
07.
Mangelware für LKWs:
Parkplätze!
08.
Dran denken:
LADUNGSSICHERUNG!
09.
Miese Tricks der
Branche: der „Urlaubsschein“
10.
Unerträgliche Sensationslust
im Straßenverkehr: „Gaffer“
11.
Fernfahrers Fluch:
Termindruck
12.
Handy im Straßenverkehr
13.
Vorsicht Arbeitsamt?!
14.
Thema
Scheinselbstständigkeit im Fuhrgewerbe
15.
Gedanken über Streiks und
Blockade
16.
Verpflegung unterwegs: Imbiss
& Co.
17.
Gedanken über „Just in
Time“
18.
Auweia! Lieferung an einen
Großmarkt…
19.
Leider Alltag:
Missbrauch elektronischer Schilderbrücken
20.
Falsche Sparsamkeit in
der Verkehrspolitik: mehr „Rumpelstreifen“ statt den wesentlich
wichtigeren Parkplätzen (Wie Politiker Ursache und Wirkung verdrehen!)
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