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Unangenehme und durchaus auch gefährliche Erlebnisse im
Straßenverkehr gehören vor allem für Fernfahrer leider zum üblichen Alltag –
über die meisten dieser Vorkommnisse ärgert man sich kurz und das war´s dann
auch. Wenn man schon viel erlebt und es sich angewöhnt hat, für andere
Verkehrsteilnehmer sicherheitshalber mitzudenken und vor allem auch
vorausschauend zu fahren, dann vergisst man auch viel von den zahlreichen
negativen Erlebnissen von unterwegs. Was wäre das auch für ein
Riesenaufwand, die größeren „Missetaten“ anderer Verkehrsteilnehmer jedes
Mal festzuhalten und zur Anzeige zu bringen. Da hätte man, weiß Gott,
wirklich jeden Tag ganz schön zu tun. Und unsere Polizei ist ja ohnehin
schon reichlich überlastet, weil oft auch vom Personal her unterbesetzt.
Gelegentlich doch ist man Situationen ausgesetzt, da kann man nicht anders
und ist wild entschlossen, einen Vorfall zur Anzeige zu bringen.
So auch im folgenden Fall, als ich mit meinem Hängerzug beladen von Augsburg
in Richtung Berlin unterwegs war auf der Autobahn A9. Die Sache ereignete
sich in der Nähe von Nürnberg ein Stück vor einem Autobahndreieck.
Der „Bösewicht“ war hier ganz unerwartet ein Tankzug-Fahrer! Ausgerechnet!
Ich schickte mich also an, u.a. auch diesen eher langsamen Tankzug zu
überholen. Aus der Situation heraus sah ich da überhaupt keine Probleme, den
Überholvorgang in kurzer Zeit durchzuführen. Aber je mehr ich an dem
(beladenen!) Tankzug vorbeizog, desto schneller konnte dieser plötzlich
fahren. Also entweder war der Fahrer wieder „aufgewacht“ oder eines jener
„Kollegenschweine“, die es nicht abkönnen, wenn sie mal überholt werden.
Wie dem auch sei, ich kam um keinen Preis an diesem Tankzug vorbei – dessen
Fahrer grinste vielmehr dreckig rüber und war tunlichst bemüht, mit mir auf
selber Höhe zu bleiben. Zu jener Zeit waren die LKWs noch nicht mit
Tempobegrenzern ausgerüstet, so dass man ja eigentlich auf ebener Strecke
problemlos durchaus deutlich schneller als 90 km/h fahren konnte. Aber
dieses Tempo ist für mich schon immer die eigentliche magische Grenze
gewesen und so war in der geschilderten Situation dann ein Tempo von fast
100 km/h schon einiges zu viel für meinen Geschmack – und selbst diese
Geschwindigkeit reichte kurzfristig nicht aus, an dem kriminell fahrenden
Tankzugfahrer vorbei zu kommen!
Und für mich wurde es langsam knapp, um rechtzeitig auf die rechte
Abbiegespur in Richtung Berlin zu kommen. Es gab also keine andere
Möglichkeit als meinen eigenen LKW auf der Überholspur abzubremsen und mich
zurückfallen zu lassen. Aber als ich abbremste, machte der Tankzugfahrer
genau dasselbe! Das konnte wirklich nicht wahr sein!
Zwischenzeitlich hatte ich mein Funkgerät angestellt und gab mich der
Hoffnung hin, dass der Tankzugfahrer auch ein Funkgerät an Bord haben
könnte. Entsprechend meiner Stimmung tobte ich in das Mikro und gab dem
anderen Fahrer zu bedenken, dass ich ihn anzeigen würde, wenn er seine
kriminellen Spielchen nicht lassen würde – es kam aber keine Antwort.
Aber plötzlich gab er doch wieder Gas und scherte selbst auf die Abbiegespur
in Richtung Berlin und ich schaffte es auch noch so gerade. Die Firma und
das Kennzeichen des kriminellen Tankzugfahrers hatte ich zwischenzeitlich
auch noch notiert und so stand einem Anruf bei der Polizei mittels
Bordtelefon auch nichts mehr im Wege.
Der Beamte, mit dem ich sprach, ließ mich wissen, dass er auf dem von mir
genannten Streckenabschnitt kein Fahrzeug frei habe – ich sollte mich direkt
an die Polizei in Bayreuth, das ja auf meinem Weg lag, wenden. Und das hatte
ich auch vor.
Genau das ließ ich über Funk diesen anderen Fahrer, der immer noch ein Stück
vor mir unterwegs war und der selbst ein Bayreuther Kennzeichen hatte,
wissen. Und siehe da, plötzlich konnte er sich am Funkgerät melden und
fragte an, ob wir uns auf einem anderen Funkkanal kurz unterhalten könnten.
Ich willigte ein – und ganz erstaunlicherweise entschuldigte sich der
Übeltäter für sein vorheriges Verhalten. Er konnte gar nicht begründen,
warum er so drauf war. Aber er hatte wohl den begründeten Verdacht, dass er
auf eine Anzeige von mir hin eine ganze Weile zum Fußgänger werden und unter
Umständen sogar seinen Job verlieren konnte. Diese Überlegungen waren
wahrscheinlich die tatsächliche Ursache für seine plötzliche Reue.
Nachdem ich ihm nochmals ins Gewissen geredet hatte, in Zukunft mit seinem
Gefahrgutzug solchen gefährlichen Leichtsinn bleiben zu lassen, sagte ich
ihm zu, von meiner Absicht abzulassen, ihn bei der Polizei in Bayreuth
anzuzeigen. Aber wer weiß schon, ob ihn das in der Zukunft von weiteren
ähnlichen Aktionen abgehalten hat…
Aktuelle Auswahl an kurzen
Geschichten:
An einem Tag fast 4-mal über den
Brenner
Italienischer
Fahrstil
Abends an der
Schweizer Grenze
Pause - eine Frage
der Auslegung
Ein krimineller
Tankzugfahrer
Lesen Sie bitte auch meine 20 Kolumnen "Müllerman´s
kritischer Blick auf das Fernfahren"
mit folgenden aktuellen Themen:
01.
Seit langem Gesetz –
aber kaum ein Fernfahrer hat einen: DER ARBEITSVERTRAG
02.
„Elefanten-Rennen“
03.
Zu lange am LKW-Steuer:
Keine Bagatelle!
04.
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05.
„LKW-Fahrerinnen“
06.
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07.
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08.
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LADUNGSSICHERUNG!
09.
Miese Tricks der
Branche: der „Urlaubsschein“
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Unerträgliche Sensationslust
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Fernfahrers Fluch:
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Scheinselbstständigkeit im Fuhrgewerbe
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18.
Auweia! Lieferung an einen
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Leider Alltag:
Missbrauch elektronischer Schilderbrücken
20.
Falsche Sparsamkeit in
der Verkehrspolitik: mehr „Rumpelstreifen“ statt den wesentlich
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