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"Das Trucker-Handbuch"

- ein Ratgeber für alle Fahrphasen -

von Lothar Rohling / Dortmund / eingesandt 22.1.2004

 

Seite 3 >>> Buchstabe D

 

D

Kennzeichen für Düsendorf, kleiner Ort am Rande der runway 05 R bzw. 23 L bei Lohausen; bei einem einsamen „D“ ohne Kombination mit anderen Buchstaben oder Zahlen handelt es sich um eine größere Menschenansammlung zwischen Frankreich, Holland, Dänemark, Polen und Bayern

D

Deutschland – die Verpackungslüge

August 2001: In Köln läuft eine Messe der Musikindustrie. In einem Interview beklagt ein Vertreter der Medienwirtschaft, daß soviel geklaut wird in Deutschland wie nie zuvor. Um ganze zehn Prozent ist der Absatz der CD-Produzenten zurück gegangen, weil jedermann die Musik, die ihm gefällt, einfach kopiert und sich so fast umsonst den Genuß holt, den er sonst an den Produzenten, vom Künstler angefangen bis zum Verkäufer im Musikgeschäft, in Form eines Kaufpreises bezahlen müßte.

Offensichtlich gönnt niemand mehr einem anderen das, was der sich eigentlich redlich verdient hat. Es ist schwer zu sagen, ob das nun eine typisch deutsche Erscheinung ist, aber sie eignet sich bestens für weitere Überlegungen im eigentlichen Thema. Deutschland, das Land der Abzocker und Fallensteller, der Rechthaber und Selbstgerechten, der Besserwisser, Überheblichen und Unschuldigen, die immer mit dem Finger auf andere weisen, das Land, in dem Recht vor Gerechtigkeit geht, ein Autofahrerland, wie es sich typischer deutsch nicht denken läßt.

Man kommt dieser Einsicht näher, wenn man von außerhalb zurückkehrt in die gewohnten Gefilde, also noch nicht drin ist, aber die Verpackung von außen sieht. An der Grenze nach Deutschland begrüßen einen große Schilder mit dem Hinweis auf die Höchstgeschwindigkeiten innerhalb und außerhalb geschlossener Ortschaften, sowie auf Autobahnen. 130 gilt in Deutschland und Frankreich als Höchstgeschwindigkeit, allerdings mit dem feinen Unterschied, daß dies hier eine so genannte Richtgeschwindigkeit ist, an die man sich halten sollte, weil im Falle eines Falles die juristische Hintertür zuschlägt und dem an einem Unfall beteiligten Fahrer automatisch eine Teilschuld beschert, sollte er diese magische Grenze überschritten haben, während es in Frankreich einfach die Höchstgeschwindigkeit für alle ist (siehe auch égalite aus der französischen Revolution).

Dabei spielt bei uns das Verursacher- und Kausalitätsprinzip so gut wie keine Rolle mehr. Weil sich der Gesetzgeber nicht hat durchringen können, dem an sich obrigkeitsgläubigen deutschen Autofahrer das Recht auf freie Fahrt für freie Bürger generell zu nehmen, läßt er diesen im Glauben, so schnell fahren zu können, wie es der Geldbeutel gerade zuläßt und nicht der Verstand. Nur wer aus dem Ausland kommt, wird auf die allgemein geltende Norm der Richtgeschwindigkeit hingewiesen.

Erstaunlich, erstaunlich: Auf deutschen Landstraßen außerhalb geschlossener Ortschaften darf man 100 fahren, in Frankreich nur 90! Ist es in Deutschland etwa ungefährlicher auf diesen Wegen? Mitnichten! Das verdrehte Bild wird klarer, wenn man die Wirklichkeit erfährt, denn eine Flut von Schildern macht einem kurz nach der heimatlichen Grenze ganz schnell klar, daß weder die oben zitierte freie Fahrt noch die großzügige Geschwindigkeitsbegrenzung auch nur annähernd der Realität entsprechen.

Auf fast allen Landstraßen sind die Geschwindigkeiten in Deutschland auf 90 oder 70 begrenzt. Es gibt sogar Beschilderungen mit der Angabe einer Höchstgeschwindigkeit von 100 auf Landstraßen. Es ist offensichtlich: Der deutsche Gesetzgeber geht davon aus, daß der deutsche Autofahrer an ständigem Gedächtnisverlust leidet, sonst würde er eine allgemeine Gesetzesvorschrift nicht ständig auch noch per Schilderwald wiederholen.

Schlimmer noch: Der Gesetzgeber zwingt die großen Autos mit über 7,5 Tonnen Gesamtgewicht zu einer deutlich geringeren Geschwindigkeit als die kleinen Personen- und Lieferwagen, womit die zulässige Geschwindigkeit bei fehlender Überholmöglichkeit für alle auf 60 km/h begrenzt wird, denn der langsamste bestimmt dann das Tempo.

Während in Frankreich Personenwagen und LKWs auf allen Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften mit 90 km/h fahren dürfen und dies auch tun, ist ein deutscher Brummifahrer auf einer schnurgeraden Landstraße in Bayern oder Niedersachsen gezwungen, mit 60 km/h daher zu schleichen, womit andere Autofahrer gezwungen sind, diesen zu überholen, was nie ganz ungefährlich ist.

Gesetzlicher Klassenhaß ist vorprogrammiert, und das allgemeine Verhalten deutscher PKW - Fahrer gegenüber ihren großen Artgenossen spricht da eine deutliche Sprache. Es wird zwar die gegenseitige Rücksichtnahme proklamiert, per Gesetz aber von Anfang an ausgeblendet. (Vergleiche dazu fraternite in F)

Der Brummifahrer muß in Frankreich nicht ständig darüber nachdenken, auf was für einer Straße er sich gerade befindet, um seine Geschwindigkeit danach einzurichten, und das nicht etwa, weil das mehr oder weniger gefährlich ist, sondern weil er grundsätzlich 90 fahren darf (siehe liberte). Sein deutscher Kollege kann hier bereits belangt werden, wenn er über einen längeren Zeitraum per Tempomat schneller als 80 gefahren ist. Bei einem Unfall trägt er automatisch eine Teilschuld, Bußgeld bedroht ist es allemal.

Mein Vorschlag zur allgemeinen Kostensenkung auf diesem Gebiet sieht so aus: Statt der Schilderkombination 70 oder 90 und einem zusätzlichen Überholverbotsschild darunter nur ein rundes Schild in weiß mit rotem Rand. Dann wären Ungleichheiten und Ängste mit einem Schlag preisgünstig beseitigt.

Gewiß gibt es überall schwarze Schafe auf allen Gebieten. Gewiß gibt es hier wie da vermeidbare Unfälle und vermeidbares Leid. Es läßt sich aber leider nicht per Dekret verbieten. Wer einmal kreuz und quer durch unser Nachbarland gefahren ist, wird schnell bemerken, daß es dort auf dem Gebiet der Fallenstellerei noch erheblichen Nachholbedarf gibt.

Während auf einer Fahrt von mehr als dreitausend Kilometern durch Frankreich keine zwei „Starenkästen“ entdeckt werden konnten, waren es bei einer Fahrt zwischen dem Ruhrgebiet und einem kleinen Kaff südlich von Lüdenscheid auf einer Länge von knapp 30 Kilometern ganze fünf (!) in nur einer Richtung. Zurück kamen noch einmal drei dazu – auf derselben Strecke. Nun möchte man annehmen, in Deutschland würde halt mehr gerast als in Frankreich und deswegen müsse man auch eben mehr überwachen. Aber wie in allen Fällen, bei denen man Ursache und Wirkung vertauscht, ist der daraus gezogene Schluß ein trügerischer.

Wenn ich nämlich an Stellen, an denen ich es erwarten kann, daß sich niemand an eine unsinnige Geschwindigkeitsbegrenzung hält, eben jene Starenkästen installiere, um damit Autofahrer zu überführen, daß sie zu schnell gefahren sind, dann erhöht sich auch zwangsläufig die Zahl derer, die zu schnell gefahren sind, was unsere Verwaltungsfürsten dazu veranlaßt, die Überwachung noch einmal zu verstärken, was die Zahl der „Gesetzesbrecher“ wiederum steigen läßt. Diese Spirale läßt sich nur unterbrechen, wenn man meinem oben geäußerten Rat folgt und die empfohlenen Schilder installiert, die das Fahren gänzlich unterbinden. Dann ist jeder ein Sünder, der ein Auto auch nur bewegt und kann zur Kasse gebeten werden.

Im Jahr 2000 haben Ordnungshüter allein in NRW Bußgelder in einer Höhe von siebzig Millionen Mark verhängt. Was die Kommunen durch Aufbau stationärer Meßgeräte zusätzlich eingenommen haben, vermag ich an dieser Stelle nicht zu sagen, läßt sich aber durch Studium der statistischen Veröffentlichungen sicher heraus finden. Einen solchen Brocken kann sich eine durch Jahrzehnte lange Mißwirtschaft auf das Raffen angewiesene öffentliche Hand (in Wirklichkeit sind es Hände) natürlich nicht entgehen lassen und produziert auf diese Weise einen unnachahmlichen Kamerawald, an dem die ehemalige Stasi ihre helle Freude gehabt hätte, liefert sie doch von einem großen Teil unserer Bevölkerung ein Bewegungsprofil, wie es nur noch von ständig laufenden Videokameras übertroffen werden könnte.

So entsteht Stress – man merkt es jedesmal, wenn man zurück kehrt.

Dämpfer

allgemeines Ernüchterungsgefühl, das man erfährt, wenn man meint, es einem Kollegen, dem Disponenten oder dem Chef mal so richtig gezeigt zu haben 

Diesel

unzutreffende Aufschrift auf T-Shirts und Windjacken

Display

früher auch Tachometer, Drehzahlmesser, Fernsehschirm, Öldruckmesser usw. genannt; wurde im Zuge des europäischen Einigungsprozesses internationalisiert und wegen seiner spielerischen Komponente zum Display hochgelobt

Disponent

Das Wort ´Disponent` stammt vom lateinischen dis-pono [disposui, dispositum] und bedeutet

1.      an verschiedenen Orten aufstellen.
(gelingt im Lager den damit Beschäftigten perfekt)

2.      planmäßig verteilen (gelingt den Fahrern
trotz Dispo und Lager fast perfekt)

3.      gut einrichten (gelingt der Dispo
nur bei langer Betriebszugehörigkeit)

4.      ordnen
(gelingt den Fahrern trotz Dispo und Lager)

5.      geordnet darstellen (gelingt der Dispo
und dem Lager gegenüber den Chefs)

Fazit:

Wenn Disponenten im 2. Weltkrieg Zugführer gewesen wären, hätte Deutschland die Chance gehabt, diesen Krieg wegen Unordnung bereits drei bis vier Jahre vorher zu verlieren. Dann hätten Millionen Menschen mehr den Krieg überlebt, und die Arbeitslosigkeit hätte heute bereits die 10-Millionen-Marke überschritten, was die Probleme unüberschaubar machen würde.

Danken wir also den Disponenten für den status quo!

Drehmoment

Augenblick, in dem sich der Trucker entschließt, auf der Stelle umzukehren, weil er sonst in eine gefährliche Sackgasse gerät

Drehmomentschlüssel

Gerät zur Schadensbegrenzung an Schrauben und Muttern

Druck

übliche Form der zwischenmenschlichen Auseinandersetzung; Druck erzeugt die begehrte menschliche Wärme, weshalb man auf Trucker gerne Druck ausübt.
Damit ständig Druck vorrätig ist, wird er an Trucks in Kesseln in großen Mengen bevorratet 

Dynamik

kleine Lichtmaschine an Fahrrädern

weiter >>>
 

 

 

Seite 1 >>> Einleitung

Seite 2 >>> Buchstabe A - C

Seite 3 >>> Buchstabe D

Seite 4 >>> Buchstabe E - K

Seite 5 >>> Buchstabe L - P

Seite 6 >>> Buchstabe S - Z

 

 

Eine Bitte des Autors:

Falls Sie Anregungen zu seinem Beitrag haben: LotharRohling@web.de 

Wichtige Anmerkung:

Alle Rechte und Verantwortlichkeit hier veröffentlichter Beiträge liegen bei den jeweiligen Autoren!

 

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