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Wenn Sie schon immer wissen wollten, was wirklich alles in einer Spedition abgeht...

1. BASIS-FAKTEN ZU DEM ARBEITGEBER

Ein wahres Speditionsportrait nach eigenen Erfahrungen von Peter J. Müller

- Bewertung: NOTE 4-

Tatsächlich habe ich hier mit Abstand am längsten gearbeitet – rund 5,5 Jahre. Allerdings dauerte es rund zwei Jahre, bis ich einen passablen Weg für das Auskommen mit dem „robusten“ Disponenten und seinem unberechenbaren Chef gefunden hatte. Erst danach stellte sich so langsam ein Gefühl für die (relative) „Sicherheit“ des Arbeitsplatzes ein. Insgesamt ist aber durchaus zu bemängeln, dass es generell in Sachen der „Menschenführung“ und Behandlung des Fahrpersonals nicht wirklich weit her war! Sehr positiv herauszustellen ist die überaus pünktliche Überweisung des Lohns zum Monatsende – bis heute ist das bei den meisten Fuhrunternehmen leider die Ausnahme! Die Spesen wurden berechnungstechnisch mit Verzögerung von rund zwei Wochen bezahlt. Die Auszahlung erfolgte immer mit dem Grundlohn zum Monatsletzten. Der Fahrzeugpark war durchaus in einem guten Zustand und vom Alter her akzeptabel. Negativ ist jedoch hervorzuheben, dass Leute, die ein neues Fahrzeug bekamen, auch damit gelegentlich massiv unter Druck gesetzt wurden (wenn sie sich das gefallen ließen…). Da stand dann die Drohung im Raum, sie müssten wieder auf einen älteren LKW zurück, wenn sie z.B. zu einem „ungünstigen“ Zeitpunkt (und das war eigentlich immer!) krank meldeten. Um diesem Druckmittel aus dem Weg zu gehen, machte ich fast über den gesamten Beschäftigungszeitraum lieber den „Springer“. Bei mir selbst führte eine längerfristige – unverschuldete – Erkrankung letztlich sogar zu einer Kündigung. Und das ganz im miesen Stil typischer skrupelloser Fuhrunternehmer. Allerdings sollte es diesem eigenwilligen Chef das sehr teuer zu stehen kommen: er unterlag vor dem Arbeitsgericht und musste mir fast 12.000 DM Abfindung, Urlaubsabgeltung und ausstehenden Lohn bezahlen. Hier bewährte sich einmal mehr meine Arbeits-Rechtsschutzversicherung! Die gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten waren meistens haarscharf einzuhalten – eine mehr oder weniger deutliche Überschreitung kam durchschnittlich einmal im Monat vor. Zu bemängeln ist auch, dass über den gesamten Zeitraum von über fünf Jahren keine einzige Lohnerhöhung gewährt wurde! Nach Aussagen von Ex-Kollegen soll sich am Grundlohn auch seit meinem Ausscheiden Anfang 1997 immer noch nichts geändert haben – es wird also seit über zehn Jahren derselbe Grundlohn bezahlt!!!
Zu der obigen Note führten auch folgende, nicht zu tolerierende Umstände: Beim Transport von Papierrollen, Altpapier und oft auch von Stabstahl war man fast immer gezwungen, Ladung mit einem Mindestgewicht von 24 bis teilweise sogar über 26 Tonnen Gewicht zu transportieren! Bei einem durchschnittlichen Ausgangsgewicht eines Wechselbrücken-Hängerzuges von circa 18 Tonnen und bei einem Sattelzug von fast 16 Tonnen ergaben sich hier also Gesamtgewichte von immer über 40 Tonnen, oft genug noch über (punkteverdächtige) 42 Tonnen! Also ein häufiges Risiko, nicht nur seinen Führerschein aufs Spiel zu setzen!

- Arbeitszeitraum:

1991 bis 1997

- Lohn:

Ausgangsbruttolohn über den gesamten Zeitraum: 4.268 DM. Hinzu kamen brutto monatlich 150 DM, wenn man vor allem nicht krank war. Schon ein einziger Tag Ausfall führte schon zum Ausfall dieser Prämie! Die Spesen wurden nicht in gesetzlicher Höhe gezahlt. Als 1996 von gesetzlicher Seite die Spesenregelung rigoros verschärft und verschlechtert wurde, ergab sich durch die in der Firma umgesetzte Spesenbezahlung eine reale Einkommenseinbuße bei den Spesen von sagenhaften 50%! Statt durchschnittlich 800 DM Spesen erhielt man plötzlich nur noch 400 DM! Vom gesamten Lohn her gesehen bewirkte das – gewissermaßen aus heiterem Himmel – eine reale Einkommenseinbuße von heftigen rund 14%! Und das merken Sie schon massiv im Geldbeutel…
Eine Art von Weihnachtsgeld wurde überhaupt nur circa dreimal bezahlt – und das bewegte sich in einer mehr als bescheidenen Höhe! Urlaubsgeld gab es zwar, aber auch dieses bewegte sich in bescheidener Höhe von 25 DM brutto.
Da das durchschnittliche tägliche Arbeitspensum bei wenigstens 14 Stunden lag, ergibt sich umgerechnet ein Brutto-Stundenlohn von weniger als 14 DM!

- Arbeitsvertrag: NEIN

- Touren:

Überwiegend Komplettladungen beim freien Fernverkehr, sonst für eine Baustoffkette viel Sammelgutladungen mit zwei bis drei Entladestellen. Sonntagabend musste man eher selten raus und die die Tourendauer bewegte sich zwischen einem Tag bis maximal drei Tagen. Fast immer war man dann am Freitagabend fertig. So gesehen gehörten einem die Wochenenden also meist wirklich ganz zur eigenen Verfügung. Überwiegend wurde im nationalen Fernverkehr gefahren.

- Auslandseinsatz:

In seltenen Fällen ging es mal nach Frankreich, Luxemburg, Niederlande und Belgien. Kollegen sollen auch mal nach Österreich, Schweiz, Italien und Polen gekommen sein.

- Arbeitszeiten:

Wie schon erwähnt, müsste die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit bei rund 14 Stunden gelegen haben. Im Schnitt einmal im Monat wurden da auch „Ausreißer“ nach oben gebracht und dann konnte man schon mal mit wenigstens 18 Arbeitsstunden dabei sein. Am ehesten kam das vor, wenn man Sonntagabend los musste und (gesetzeswidrig!) erst am späten Mon-tagnachmittag seine vorgeschriebene Ruhepause antreten konnte! Einmal im Jahr hatte man auch Glück: da waren es dann „nur“ acht Stunden Arbeitszeit – wenn man an einem solchen Tag nach Hause ging (obwohl man vielleicht sogar in dieser Zeit 400 oder 500 km gefahren war!), hatte ich immer das seltsame Gefühl, an diesem Tag noch fast nichts gearbeitet zu haben! Klingt zwar komisch, aber wenn fast 16 Stunden Schichtzeit der Normalfall sind, dann bekommt man für eine Stundenzahl, die für die meisten Arbeitnehmer selbstverständlich ist, einen anderen Blickwinkel…

- Tages-Kilometerleistung im Durchschnitt: 463 km

In den einzelnen Jahren gab es folgende durchschnittliche Tages-Kilometerleistungen:

1991 = 469 km / 1992 = 453 km / 1993 = 455 km / 1994 = 434 km / 1995 = 487 km / 1996 = 492 km.

- gefahrene LKWs:

Mercedes 1120 / 1625 / 1635 / 1735 / 1834 / 1844 / 2235 / 2435 / 2538 / 2544
MAN 19.362 (Kipper-Hängerzug)
Volvo F10 und F12 (hier handelte es sich um Leihfahrzeuge)

- Sonstiges:


Zu rund 90% war ich auf Wechselbrücken-Hängerzügen unterwegs – und nur zu etwa 10% auf Sattelzügen. Aus den oben geschilderten Gründen heraus war ich fast durchgehend als „Springer“ tätig und somit tatsächlich der flexibelste Fahrer. Das wirklich zu schätzen lernte dieser Chef aber erst, nachdem er mich gekündigt hatte – und keiner der verbliebenen Fahrer mehr gerne diese universelle Einsetzbarkeit an den Tag legte…
Fast immer lief diese Springertätigkeit so ab, dass ich jeweils ein Fahrzeug durchaus für mehrere Wochen fuhr. Die Häufigkeit des Umräumens von der persönlichen Ausstattung im LKW hielt sich also eigentlich sehr in Grenzen. Und ich hatte für mich ja den Vorteil von ausreichender Abwechslung bei den Touren. Denn Linienverkehr bin ich noch nie gerne gefahren.
Zu den Kuriosa gehörte es auch, dass es der Herr Chef etwa einmal im Jahr schlichtweg darauf anlegte, dass man kündigte. Aber ich durchschaute seine Spielchen von Anfang an, so dass er eines Tages selbst den entscheidenden Schritt machen musste. Allerdings tat er das ohne Rückversicherung mit seinem Fachanwalt, so dass es zu einem sehr kostspieligen Unterfangen wurde, mich loszuwerden. Bei zwei weiteren Kollegen musste er solch mieses Vorgehen ebenfalls teuer büssen…
 

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