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Der war wahrlich eine Marke für sich! Wie bereits
vorher erwähnt, dauerte es fast zwei Jahre, bis ich einen passablen Weg
fand, mit ihm zurecht und auszukommen. Ab da hatte ich meine relative
„Ruhe“ vor ihm.
Wenn man ihm auch bescheinigen musste, dass er seinen Job zum Vorteil
der Firma sehr fähig und routiniert ausübte, so war doch Menschenführung
nicht wirklich sein Ding. Am Telefon war er immer wieder sehr
unterschiedlich gelaunt drauf. Am schlimmsten war dies in aller Regel
dann der Fall, wenn er in der Nacht zuvor eine seiner beiden Taxen, die
er nebenbei laufen hatte, selbst fahren musste. Dementsprechend schlecht
ausgeruht war dann auch seine Laune. Dann konnte er auch dermaßen einen
lauten und unverschämten Befehlston drauf haben, dass man den
Telefonhörer locker einen halben Meter weit entfernt halten konnte und
musste. In dem Fall war es aber sowieso besser, wenn man gleich wieder
auflegte und einige Minuten wartete. Dann hatte er sich meistens wieder
eingekriegt.
Aber das scheint ja überhaupt vielen Disponenten in Deutschland eigen zu
sein, dass sie einen rüden und nicht selten mit Schimpfworten gespickten
Sprachwortschatz drauf haben! Auch an so was muss man sich erst mal
gewöhnen – leider! Kein Wunder sicher, dass sich bei solchen
Ausgangsvoraussetzungen auch viele Fahrer im Laufe der Zeit vom
Sprachgebrauch her in recht rüde und derbe Gesellen verwandeln. Und das
müsste nicht wirklich so sein! Da könnten sich die Herren Disponenten
mal eine gewaltige Scheibe abschneiden von z.B. ihren Kollegen in
Italien: Da herrscht ein ganz anderer Umgang miteinander (wenigstens
nach meinen eigenen Erfahrungen in drei italienischen Speditionen!).
Typisch ist ja ebenfalls für diese Branche, wie schnell da ungefragt zum
„Du“ gewechselt wird. Beim Einstellungsgespräch heißt es noch und vor
allem in höflichem Ton „Sie“ – und kaum hat man angefangen, geht es
schon mit der Duzerei los. Würde es Sie dann wirklich noch wundern,
warum so viele Fahrer das seltsame Gefühl haben, sich in einem
sklavenhalterischen Verhältnis zu befinden?! Und der alte Witz kursiert
darüber: „Ich kann gar nicht entlassen werden – Sklaven muss man
verkaufen!“
Der bewusste Disponent saß übrigens seit bald zwanzig Jahren und sehr
unangefochten in seiner Stellung. Versuche des Inhabers der Spedition,
einen zweiten Disponenten aufzubauen (was ja irgendwo verständlich
gewesen wäre bei irgendwann deutlich über 30 Fahrzeugen!), scheiterten
kläglich, weil der Herr Disponent keinen zweiten neben sich aufkommen
ließ und potentielle Bewerber immer wieder erfolgreich ausbootete. Zwar
gab es im Disponentenbüro einen weitern Mitarbeiter, aber der hütete
sich wohlweislich, irgendwelche Aufträge zu erteilen oder Anordnungen
für die Fahrer zu treffen. Der wusste genau, was ihm dann blühte, wenn
er dem Disponenten dazwischen funkte…
Der Disponent fühlte sich in seiner Position sogar so sicher, dass es
gelegentlich auch mal zu peinlichen Auftritten zwischen ihm und dem Chef
kommen konnte. Und da kümmerte es den Disponenten wenig, ob etwa
zufällig ein Fahrer zugegen war! Beispiel: Da stehe ich also im Büro und
warte auf einen Fahrauftrag. Der Chef kommt rein und macht dem
Disponenten einen Vorschlag bezüglich einer bestimmten Tour. Was macht
der Disponent? Schnauzt mit voller Lautstärke den Chef an: „Schleich Du
Dich doch mit Deinen Scheiß-Ideen!“ Und der Chef schleicht sich
daraufhin wie ein geprügelter Hund aus dem Büro! Irgendwo war diese
Situation ja saukomisch (natürlich durfte man nicht lachen!) – aber
Tatsache ist doch wohl eher, dass so etwas nicht angehen kann. Auch der
Disponent ist ja nur ein Angestellter. Und der darf sich ja wohl nicht
so sehr daneben benehmen!
So gefiel sich also der Disponent in seiner Rolle als (vermeintlicher)
kleiner König und nutzte seine Position selbstredend weidlich aus! Wer
sich als Fahrer weigerte, seine Aufträge so auszuführen, wie er sie
anordnete, konnte schnell mit einem gefährlichen Unterton in seinen
Ausführungen Bekanntschaft machen. Und da wurde im Grunde genommen recht
unverhohlen dann mit der potentiellen Kündigung gedroht. Ich selbst
hatte da etliche Konfrontationen mit ihm etwa bezüglich der häufigen
Überladungen beim Papier- und Stahltransport.
In einem Fall legte er mich richtig gehend auch rein und ließ mich einen
LKW komplett mit kennzeichnungspflichtigem Gefahrgut vom Betriebshof
nach München fahren. Nur dass eben der von mir zu übernehmende Lastwagen
selbst nicht durch offene Gefahrgutschilder gekennzeichnet war und aus
den beigefügten Papieren (Frachtbrief und Lieferscheine) ebenfalls nicht
ersichtlich war, dass mit aufgeklappten Warntafeln zu fahren war. Das
kam erst auf, als ich auf den Hof der Firma in München fuhr und die sich
sehr wunderten bei der angelieferten Ware, dass ich sie mit „normalen“
LKW anlieferte – also eben ohne Kennzeichnung und Gefahrgutausrüstung.
Natürlich stellte ich den Disponenten nach Rückkehr sofort zur Rede –
aber der feige Geselle leugnete hartnäckig, dass er etwas davon gewusst
hätte. Die Wahrheit kam aber doch noch später ans Licht: als ich den
Kollegen traf, der die Ware vorgeladen und auf unseren Betriebshof
gefahren hatte, erzählte mir dieser, dass er sowohl den LKW
vorschriftsmäßig gekennzeichnet und die Warntafeln eben aufgeklappt
hatte! Also hatte der Disponent abends noch selbst für die
entsprechenden Manipulationen gesorgt! Zu diesem Zeitpunkt hatte ich
übrigens noch nicht den Gefahrgut-Schein gemacht, war aber wohl gerade
der einzige freie Fahrer, der die Fuhre machen konnte. Da der Disponent
wusste, dass ich mich sonst geweigert hätte, erweckte er bewusst den
Anschein, als handele es sich um normale Ware! Ein starkes Stück!
Auch bei einer anderen Gelegenheit nahm man es mit Vorschriften nicht so
genau: ich kann mich auch noch an zwei Nahverkehrstouren erinnern, die
ich mit einem LKW durchführte, bei dem sowohl Maschinenwagen als auch
Anhänger rote Vorführkennzeichen hatten. Der komplette Lastwagen war
also eigentlich überhaupt nicht angemeldet! Und da ist es meines Wissens
definitiv verboten, irgendwelche Transporte durchzuführen!
Leerfahrten und größere Umwege hielten sich bei diesem Disponenten sehr
in Grenzen. So konnte man ziemlich sicher sein, nach in aller Regel
zwei, spätestens aber nach drei Tagen abends wieder auf dem Betriebshof
und danach zuhause zu sein. Auch war die Einteilung und Planung der
Touren generell so, dass man spätestens am Freitagabend fertig war.
Allerdings konnte man sehr sicher sein, wenn man bereits am Sonntagabend
losfahren musste, dass man dann bis in den Montagnachmittag hinein zu
tun hatte – also jenseits zulässiger Lenk- und Schichtzeiten lag!
Kilometerleistungen von Sonntag auf Montag mit 700 bis über 900 km waren
da auch schon fast normal… Zum Glück erwischte es einen aber nicht so
häufig, dass man bereits am Sonntag raus musste. Ansonsten waren
durchschnittlich die Ruhezeiten so gerade eben einzuhalten – aber
tagtäglich so um die 14 Arbeitsstunden die Regel…
Ich kann es mir auch nicht verkneifen, bezüglich des Disponenten noch
folgende kleine Geschichte zum Besten zu geben: Bei einer Gelegenheit
war er nämlich unerwartet eher sehr kleinlaut am Telefon. Und das kannte
man an ihm überhaupt nicht sonst! Auf näheres Nachfragen kam heraus,
dass er auf dem Betriebshof mit einem Auflieger rangiert hatte.
Allerdings unterschätzte er beim scharfen Drehen, dass das Heck des
Aufliegers dann entsprechend weit herüberschwenkte. Und bei dieser
Gelegenheit erwischte er mit der Stoßstange das Heck von meinem Manta
und schob diesen noch auf den BMW eines Kollegen. Was den Manta anging,
so war dieser somit ein wirtschaftlicher Totalschaden – und ich hatte
das Fahrzeug erst wenige Wochen zuvor für 550 DM einem Kollegen
abgekauft und selbst noch einmal über 1000 DM investiert! Für sein
damaliges Alter von 15 Jahren und nur wenig mehr als 110.000 km war er
noch in einem recht guten Zustand gewesen. Zu meinem Glück konnte ich
den Manta mit wenig Aufwand und Geld wieder herrichten – aber der
Disponent musste über 1000 DM für den Restwert abdrücken. Fazit: Wenn
man als Disponent sonst gerne „die ganz große Schnauze“ hat, aber noch
nicht mal selbst richtig LKW fahren kann, sollte man vielleicht generell
die Fahrqualitäten seiner Fahrer besser zu würdigen wissen. Sie können
sich vorstellen, dass er wegen dieses Zwischenfalls eine ganze Weile zum
Gespött in der Firma wurde! Aber das auch wirklich zu Recht!
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