|
|
Das war mit Abstand eigentlich die häufigste
regelmäßige Ladung. Meine Firma war der so genannte Hausspediteur in
Süddeutschland und einem Teil Ostdeutschlands für einen bestimmten,
deutschlandweiten Verband von Baustoffhändlern und Baumärkten.
Ausgangspunkt war hier ein Zentrallager in der Gegend von Regensburg.
In diesem Lager wurden tagsüber immer die dort abgestellten
Wechselbrücken und Sattelauflieger vorgeladen. Nach einer eigenen
Kontrolle bezüglich einer halbwegs sicheren Beladung oblag es dann uns
Fahrern, die seitlichen Sicherungsbretter einzuhängen und die Planen zu
verschließen.
Gerade als Wechselbrückenfahrer konnte es einem blühen, dort dreimal am
Tag umbrücken zu müssen! In meinen besten Zeiten benötigte ich durch die
wirklich viele Übung für das Abstellen der leeren und das Aufbrücken der
beladenen Wechselbrücken tatsächlich nur wenig mehr als 15 Minuten!
Voraussetzung für solche echt guten Zeiten war es natürlich, dass beim
Aufbrücken die hintere Wechselbrücke auch halbwegs gerade ausgerichtet
zur vorderen stand – was nicht immer der Fall war. Aus Gründen einer
schnelleren Durchführung des Wechselbrücken-Tauschs war nämlich der
Normalfall, dass man das immer „in einem Zug“ durchführte. Und nicht
etwa jeweils einzeln ab- und aufbrückte. Alles eben eine Frage der
Übung!
Die offizielle Öffnungszeit des Lagers lag bei etwa 7 Uhr bis 17 Uhr.
Kam man später – und möglich war dann maximal etwa 20 Uhr – gab es einen
älteren Mann in der Nähe des Lagers, der einen dann auf das sonst schon
abgesperrte Gelände ließ. Dieser Sachverhalt brachte einem manchmal
Vorteile, manchmal auch Nachteile…
Vom Gewicht her musste man sich bei diesen Transporten fast nie Sorgen
machen. Allerdings bestand die seltene Möglichkeit, dass man in relativ
geringen Mengen auch mal Gefahrgut dabei haben konnte. So ergab es sich,
dass fast alle Fahrer unserer Spedition Mitte der 90er Jahre dazu
verdonnert wurden, den so genannten kleinen Gefahrgut-Schein zu machen.
Was hier nichts anderes bedeutete, als dass wir zwei komplette Samstage
für einen entsprechenden Kurs bei der Augsburger „Dekra-Akademie“
absolvieren mussten. Wie Sie sich wahrscheinlich denken können, wurde
diese Arbeitszeit natürlich nicht extra bezahlt – und an einen
entsprechenden Freizeitausgleich war erst recht nicht zu denken! Eben so
nach typischer Fuhrunternehmer-Art…
Zu dem Kurs möchte ich auch noch folgendes erwähnen: aus unserer Firma
schafften alle diesen Lehrgang ohne Probleme. Auffällig war jedoch bei
anderen Kursteilnehmern, dass sie sonst fast durchgängig alle aus einem
Arbeitsbeschaffungsprogramm des Arbeitsamtes stammten. Die meisten
dieser Leute waren offensichtlich Aussiedler aus der ehemaligen
Sowjetunion – und weder mit den Sprachkenntnissen noch mit dem Lerneifer
war es da allzu weit her. Vielmehr fielen die meisten von ihnen bei der
Prüfung erstaunlicherweise durch. Vom Kursleiter war dahingehend noch zu
erfahren, dass diese „Kandidaten“ außerdem noch vom Arbeitsamt eine
Ausbildung zum Berufskraftfahrer bezahlt bekamen…
Die Auslieferung der Waren bei den verschiedenen Baustoffmärkten ging
eigentlich immer recht unproblematisch über die Bühne. Je nach Größe des
jeweiligen Händlers war entweder der komplette Zug für ihn – oder es
verteilte sich die Ladung auf maximal drei Märkte. Die Entladezeiten
waren üblicherweise erträglich. Allerdings hing das auch davon ab, wie
sehr das meist wenige Entladepersonal sonst noch eingespannt war mit der
Bedienung der eigenen Kundschaft. Auch hier zeigte sich einmal mehr:
draußen im Lager schufteten sich einige wenige Lagerarbeiter oft die
Seele aus dem Leib – und im Bürobereich gab es einen wahren Wasserkopf
an Personal. Manchmal ist das nur schwer nachzuvollziehen, warum die
Arbeitskräfte in Firmen so ungleich und unvernünftig verteilt sind. Sehr
wahrscheinlich ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Art von
Personalpolitik, dass man anliefernde und abholende LKW-Fahrer ja als
kostenlose Ab- oder Beladekräfte betrachtet! Und das ist ja hierzulande
fast durchgängig bei fast allen Unternehmen der Fall – obwohl das aus
Sicht der gesetzlichen Sozialvorschriften zumindestens im Bereich des
Fernverkehrs absolut nicht in Ordnung geht! Auch verwunderlich, dass
hier von staatlicher Seite nicht mehr, bzw. in aller Regel überhaupt
nicht auf Einhaltung gepocht wird! Bei konsequenter rechtsstaatlicher
Verfolgung solcher Verstöße gäbe es absolut sicher viele Arbeitslose
weniger! Denn dann wären die Firmen wieder gezwungen, diese falsche – um
nicht zu sagen fast gesetzlose – Personalpolitik zu ändern und eben
wieder mehr Leute zu beschäftigen! Einsparungen auf Kosten der
gesetzlichen Rechte bestimmter Gruppen der Gesellschaft (wie vor allem
eben bei uns Fernfahrern!) sind ganz eindeutig eine bodenlose Frechheit
und im rechtsfreien Raum anzusiedeln! Aber was macht die Politik?
Richtig – sie ignoriert das standhaft seit Jahrzehnten…
|