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Wenn Sie schon immer wissen wollten, was wirklich alles in einer Spedition abgeht...

3.4. Arbeits- und Tourenabläufe bei Baustoffen & Zubehör für Baumärkte

Ein wahres Speditionsportrait nach eigenen Erfahrungen von Peter J. Müller

Das war mit Abstand eigentlich die häufigste regelmäßige Ladung. Meine Firma war der so genannte Hausspediteur in Süddeutschland und einem Teil Ostdeutschlands für einen bestimmten, deutschlandweiten Verband von Baustoffhändlern und Baumärkten. Ausgangspunkt war hier ein Zentrallager in der Gegend von Regensburg.

In diesem Lager wurden tagsüber immer die dort abgestellten Wechselbrücken und Sattelauflieger vorgeladen. Nach einer eigenen Kontrolle bezüglich einer halbwegs sicheren Beladung oblag es dann uns Fahrern, die seitlichen Sicherungsbretter einzuhängen und die Planen zu verschließen.

Gerade als Wechselbrückenfahrer konnte es einem blühen, dort dreimal am Tag umbrücken zu müssen! In meinen besten Zeiten benötigte ich durch die wirklich viele Übung für das Abstellen der leeren und das Aufbrücken der beladenen Wechselbrücken tatsächlich nur wenig mehr als 15 Minuten! Voraussetzung für solche echt guten Zeiten war es natürlich, dass beim Aufbrücken die hintere Wechselbrücke auch halbwegs gerade ausgerichtet zur vorderen stand – was nicht immer der Fall war. Aus Gründen einer schnelleren Durchführung des Wechselbrücken-Tauschs war nämlich der Normalfall, dass man das immer „in einem Zug“ durchführte. Und nicht etwa jeweils einzeln ab- und aufbrückte. Alles eben eine Frage der Übung!

Die offizielle Öffnungszeit des Lagers lag bei etwa 7 Uhr bis 17 Uhr. Kam man später – und möglich war dann maximal etwa 20 Uhr – gab es einen älteren Mann in der Nähe des Lagers, der einen dann auf das sonst schon abgesperrte Gelände ließ. Dieser Sachverhalt brachte einem manchmal Vorteile, manchmal auch Nachteile…

Vom Gewicht her musste man sich bei diesen Transporten fast nie Sorgen machen. Allerdings bestand die seltene Möglichkeit, dass man in relativ geringen Mengen auch mal Gefahrgut dabei haben konnte. So ergab es sich, dass fast alle Fahrer unserer Spedition Mitte der 90er Jahre dazu verdonnert wurden, den so genannten kleinen Gefahrgut-Schein zu machen. Was hier nichts anderes bedeutete, als dass wir zwei komplette Samstage für einen entsprechenden Kurs bei der Augsburger „Dekra-Akademie“ absolvieren mussten. Wie Sie sich wahrscheinlich denken können, wurde diese Arbeitszeit natürlich nicht extra bezahlt – und an einen entsprechenden Freizeitausgleich war erst recht nicht zu denken! Eben so nach typischer Fuhrunternehmer-Art…

Zu dem Kurs möchte ich auch noch folgendes erwähnen: aus unserer Firma schafften alle diesen Lehrgang ohne Probleme. Auffällig war jedoch bei anderen Kursteilnehmern, dass sie sonst fast durchgängig alle aus einem Arbeitsbeschaffungsprogramm des Arbeitsamtes stammten. Die meisten dieser Leute waren offensichtlich Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion – und weder mit den Sprachkenntnissen noch mit dem Lerneifer war es da allzu weit her. Vielmehr fielen die meisten von ihnen bei der Prüfung erstaunlicherweise durch. Vom Kursleiter war dahingehend noch zu erfahren, dass diese „Kandidaten“ außerdem noch vom Arbeitsamt eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer bezahlt bekamen…

Die Auslieferung der Waren bei den verschiedenen Baustoffmärkten ging eigentlich immer recht unproblematisch über die Bühne. Je nach Größe des jeweiligen Händlers war entweder der komplette Zug für ihn – oder es verteilte sich die Ladung auf maximal drei Märkte. Die Entladezeiten waren üblicherweise erträglich. Allerdings hing das auch davon ab, wie sehr das meist wenige Entladepersonal sonst noch eingespannt war mit der Bedienung der eigenen Kundschaft. Auch hier zeigte sich einmal mehr: draußen im Lager schufteten sich einige wenige Lagerarbeiter oft die Seele aus dem Leib – und im Bürobereich gab es einen wahren Wasserkopf an Personal. Manchmal ist das nur schwer nachzuvollziehen, warum die Arbeitskräfte in Firmen so ungleich und unvernünftig verteilt sind. Sehr wahrscheinlich ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Art von Personalpolitik, dass man anliefernde und abholende LKW-Fahrer ja als kostenlose Ab- oder Beladekräfte betrachtet! Und das ist ja hierzulande fast durchgängig bei fast allen Unternehmen der Fall – obwohl das aus Sicht der gesetzlichen Sozialvorschriften zumindestens im Bereich des Fernverkehrs absolut nicht in Ordnung geht! Auch verwunderlich, dass hier von staatlicher Seite nicht mehr, bzw. in aller Regel überhaupt nicht auf Einhaltung gepocht wird! Bei konsequenter rechtsstaatlicher Verfolgung solcher Verstöße gäbe es absolut sicher viele Arbeitslose weniger! Denn dann wären die Firmen wieder gezwungen, diese falsche – um nicht zu sagen fast gesetzlose – Personalpolitik zu ändern und eben wieder mehr Leute zu beschäftigen! Einsparungen auf Kosten der gesetzlichen Rechte bestimmter Gruppen der Gesellschaft (wie vor allem eben bei uns Fernfahrern!) sind ganz eindeutig eine bodenlose Frechheit und im rechtsfreien Raum anzusiedeln! Aber was macht die Politik? Richtig – sie ignoriert das standhaft seit Jahrzehnten…
 

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