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Jetzt werden Sie sicher lachen! Aber durch meine
Springer-Tätigkeit war ich immer wieder auch einmal für einige Zeit als
Vertretung einer von den zwei regulären „Bierkutschern“! Und das sogar
für eine weltbekannte Brauerei in München. Vom Zentrum der Stadt, wo man
in der Brauerei Flaschen, Dosen und sogar manchmal Fässer laden musste,
ging die Lieferung dann jeweils zu Depots bei Augsburg und Ingolstadt.
Da ich hier schon fast im Werksverkehr tätig war, hatte ich wenigstens
das Glück, meist nicht mit den anderen vielen fremden LKWs anstehen und
warten zu müssen. Ich konnte mich vielmehr ganz legal weiter vorne
anstellen. Auch war es, was sonst anderweitig keine
Selbstverständlichkeit war, oft möglich, in Ruhe in der relativ
preiswerten und hervorragenden betriebseigenen Kantine Brotzeit zu
machen. Aber natürlich ohne ein Bier zu trinken! Fernfahrer und Alkohol:
das passt während der Arbeitszeit aber schon gar nicht zusammen!
Sofern die Biertransporte mit den dafür vorgesehenen und auch
eingerichteten LKWs von statten gingen, kam man bei der Fahrt mit dem so
genannten „Vollgut“ vom Gewicht her noch so ganz haarscharf hin. Wobei
aber wohl doch meistens das Gesamtgewicht bei durchaus etwas über 40
Tonnen gelegen haben dürfte. Für das Be- und Entladen waren die großen
seitlichen Klappen, die nach oben unten schwenkten, recht praktisch und
zeitsparend. Insofern ich diese Fuhren aber mit einem regulären
Wechselbrückenzug machen musste, konnte man sicher sein, dass man beim
Vollgut-Transport bei immerhin über 42 Tonnen Gesamtgewicht lag!
Der ältere der beiden Bierzüge war noch ein Mercedes 1625 mit
5-Gang-Schaltung, wie ich mich zu erinnern glaube. Und das ohne eine
Möglichkeit, die Gänge zu splitten! Sie dürfen mir glauben, dass gerade
im Hinblick auf ein Gesamtgewicht von rund 40 Tonnen das schon an
leichten Steigungen mehr als grausam war, mit diesem „Seelenverkäufer“
unterwegs zu sein. Dann schlich ich an solchen Stellen, z.B. auf der
Autobahn A 8 zwischen Augsburg und München, mit manchmal weniger als 30
km/h hinauf! Seinerzeit gab es noch kein durchgängiges Überholverbot für
tagsüber, aber eben doch nicht immer eine sofortige Überholmöglichkeit
für die schnelleren Kollegen. Und da bekam ich manchmal über Funk mit,
dass die Fahrer von LKWs ein Stück weiter hinter mir schon mutmaßten, ob
vorne etwa mal wieder ein langsamer Rumäne oder Bulgare unterwegs war…
Bei den beiden Depots, die üblicherweise von München aus angesteuert
wurden, konnte und vor allem wollte ich nicht denselben „Service“ bieten
wie meine beiden anderen Kollegen, die üblicherweise die Touren fuhren.
Die hatten sich nämlich immer einspannen lassen, selbst mit dem Stapler
das Vollgut zu entladen und dann den LKW mit dem Leergut zu beladen. Ich
war ja – zum Glück – nicht im Besitz des Staplerscheins, so dass ich zu
Recht mich auf den Standpunkt stellen konnte, dass das also nicht meine
Aufgabe war. Zähneknirschend wurde es dann doch von Leuten des Depots
gemacht. „Leider“ konnten die mich nämlich nicht irgend-wie länger
mutwillig warten lassen, weil sie genau wussten, dass ich noch mehrere
Fuhren zu machen hatte! Sonst hätten sie mit der Münchner Zentrale
Schwierigkeiten bekommen…
Einen Gefallen tat ich zur entsprechenden Saison wenigstens den
Münchnern schon: und zwar besorgte ich ihnen in der Nähe der Autobahn,
wenn ich von Ingolstadt kam, immer frischen Spargel. Die weitere Gegend
um Schrobenhausen ist ja recht bekannt für hervorragende Qualität und so
kostete dieser von mir besorgte Spargel ja auch noch deutlich weniger
als etwa beim Münchner Viktualienmarkt. Diese kleine Gefälligkeit wurde
dann in aller Regel auch ordentlich honoriert und ich bekam z.B. einen
Gutschein für einen ganzen Kasten Bier. Und den konnte ich ja gleich in
der Brauerei einlösen.
In seltenen Fällen, wenn auf dem Verladehof beim Aufladen eine Palette
mit Dosenbier umfiel, konnte man sich hier ebenfalls kostenlos
eindecken. Denn so eine Palette wurde mit den Dosen nicht mehr
aufgebaut, weil das zu unrentabel und unsicher gewesen wäre. Also wurden
normalerweise alle Dosen dieser Palette – auch die vielen
unbeschädigten! – zusammen ge-schaufelt und wanderten in einen großen
Abfallcontainer. Oft kam das ja nicht vor, aber wenn der Verlademeister
gut drauf war, ließ er dann jedermann zugreifen. Vernünftig, muss man
sagen! Es ist ja eine Schande und eigentlich typisch für die
Wohlstandsgesellschaft, wenn man unbeschädigte und einwandfreie Ware
einfach wegschmeißt!
Die Stapler jener Brauerei waren ab Mitte der 90er Jahre dann schon
recht modern ausgerüstet! Denn eine eingebaute, oft nachgerüstete
Elektronik zählte jeden Hub und wie viel Ge-wicht gehoben und befördert
worden war. Jeder Staplerfahrer hatte seine eigene Magnetkarte, die das
dann aufzeichnete. Und damit wurden am Monatsende auch die persönliche
Leistung und das jeweilige Gehalt berechnet.
Insofern ich mit einem regulären Wechselbrückenzug anrückte, bekam man
als kleine Entschädigung für den Aufwand des kompletten Auf- und
Zumachens meist zwei Flaschen Bier oder Limo geschenkt. Eine gute alte
Tradition, die ich bei fast allen Brauereien registrierte, mit denen ich
zu tun hatte in meinem Arbeitsleben. Was sonst den Punkt „Trinkgeld“ für
Fernfahrer angeht, sollten Sie den entsprechenden Stichpunkt im Kapitel
„Der Fahrerjob von A bis Z“ nachlesen! Trotz häufiger schwerer
körperlicher Arbeiten ist das leider die ganz große Ausnahme, dass dies
honoriert wird! Und das, obwohl man sich dadurch ja meistens eine
komplette festangestellte Arbeitskraft spart – weil man ganz einfach
alle LKW-Fahrer zu Be- und Entladearbeiten heranzieht und dazu zwingt!
Gerade im Fernverkehr steht das im krassen Missverhältnis zu den
geltenden Sozialvorschriften und verstößt massiv dagegen! Aber da von
behördlicher Seite so gut wie nie mit Konsequenzen zu rechnen ist, sieht
man bei Unternehmen keine Notwendigkeit für Änderungen! Auch hier ist
definitiv die Politik gefordert!
An dieser Stelle noch rühmend erwähnen muss ich das „Cafe Vollgas“ im
Verladehof dieser Münchner Brauerei! Das war natürlich kein Cafe im
eigentlichen Sinne, sondern lediglich ein Bürocontainer, in dem unter
anderem eine große Kaffeemaschine stand. Der damalige Verantwortliche
für die Leergutannahme war der Müller Rudi – eine Seele von einem
Menschen! – und der „leitete“ das von ihm so benannte „Cafe Vollgas“. Er
gab den Kaffee zum günstigen Preis an die Fahrer weiter und sorgte
durchwegs für gute Laune. Bei der üblichen Hektik und dem Gedränge auf
diesem Verladehof, wo es nicht selten zu hitzigen Reaktionen von Fahrern
und/oder Staplerfahrern kam, war so jemand auch bitter nötig!
Irgendeiner kam sogar mal auf die Idee – wohl auch, weil wir ja beide
Müller heißen – dass wir ja eigentlich Brüder sein könnten. Und in
optischer und sogar interessenmäßiger Hinsicht gab es sogar tatsächlich
einige Parallelen…
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