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Und da kommen wir gleich zu einem Zweig der
Industrie, der da kein Deut besser ist! Und zwar zu den Papierfabriken!
Deren gibt es ja in und im weiteren Umfeld von Augsburg auch mehrere. Da
ging es häufig genauso übel und skrupellos zu! Da möchte ich gleich
anmerken, dass dies sehr wahrscheinlich für fast alle Unternehmen dieser
Art gilt – egal wo! Die nutzten ihre Position der Vergabe von damals
noch echt lukrativen Ladungen voll und schamlos aus! Keiner der
Fuhrunternehmer wagte es da etwa, auf Einhaltung zulässiger
Gesamtgewichte zu pochen! Jeder befürchtete bei dieser Art von
Reklamationen, dass er schon bald keine Aufträge mehr bekommen würde…
Ich kann mich da auch noch an eine gewisse und gewissenlose „Dame“ in
einer jener Papierfabriken erinnern, die genau an der entscheidenden
Stelle für die Auftragsvergabe an die Speditionen saß. Die ließ sich vor
allem zu Weihnachten von den Fuhrunternehmern in geradezu beschämender
Weise hofieren und mit Geschenken eindecken! Die wusste genau um ihre
Möglichkeiten und drückte mit schöner Regelmäßigkeit den Fahrern
überschwere Ladungen aufs Auge.
Mehr als einmal riskierte ich dort meinen Job, weil ich mich bei
Zuladungen über 26 Tonnen Gewicht querlegte und mich weigerte, den dann
heftig überladenen LKW noch zu fahren. Mein lieber Disponent hatte es
gerade dann immer so schön drauf, am Telefon gefährlich bedeutungsvoll
zu klingen… Was mich aber nie beeindruckte und irgendwie war es dann
komischerweise immer doch noch möglich, mit „nur“ 24 Tonnen Ladung raus
zu fahren. Was ja auch schon ein Gesamtgewicht von um die 42 Tonnen
bedeuten konnte! Das dauerte auch einige Zeit, bis ich mich daran
„gewöhnte“, mit solchen Überladungen zu fahren.
Eine weitere Dreistigkeit bestand darin, dass man erst einmal
stundenlang warten durfte, bis man gnädig an die Ladetore fahren durfte.
Die eigentliche Beladung ging dann meist relativ flott über die Bühne.
Es sei denn, in dem hochmodernen und computergesteuerten Lagersystem
hatte sich eine der tonnenschweren Rollen verklemmt oder aus der
Produktion fehlte noch eine Papierrolle. Dann konnten weitere lange
Stunden vergehen! Trotz kompletter Ausstattung mit Computern auch im
Bürobereich war es auch fast schon Alltag, dass man auf die
Frachtpapiere und Lieferscheine oft länger wartete, als die Verladung
selbst gedauert hatte. Tja – das war schon ein echter Hammer! Von wegen
moderne Zeiten…
Aber schon mit dem Abfahren konnte man bereits enorm unter Zeitdruck
stehen. Denn im zuständigen Versandbüro kümmerte es keinen Menschen, ob
man vielleicht schon mehr als einen halben Tag in dem Werk verbracht
oder wann man seinen langen Arbeitstag angefangen hatte. Da hieß es dann
mit der Ausgabe der notwendigen Papiere: Termin ist morgen um so und
soviel Uhr in der Frühe! Und wehe, man würde sich verspäten! Da konnte
man dann schon leicht wieder mit unseligen Diskussionen mit dem
Disponenten am Telefon rechnen. Keinen kümmerte es da einen Deut, ob man
auch irgendwie seine Ruhezeiten einhalten konnte. Nur der Termin war
wichtig! Und in der Spedition hatte man jedes Mal schlicht die Hosen
voll, wenn mal was dazwischen kam! Die Furcht vor dem Verlust jener
lukrativen Fuhren war halt sehr groß bei allen Speditionen, die hier
ihre festen Aufträge bekamen. Ein schönes Beispiel mehr, wie wieder
einmal Profitorientiertes Denken über alle anderen eigentlich wichtigen
Belange gestellt wird. Wie etwa Gesundheit und Sicherheit des Fahrers
und anderer Verkehrsteilnehmer, Einhaltung von Gesetzen und
Vorschriften…
Da fällt mir noch ein, dass einer jener Papierhersteller mal ganz
besonders schlau sein und den ganz großen Reibach machen wollte. Das
dürfte zu dem Zeitpunkt gewesen sein, als in den 90er Jahren die
offizielle Tarifbindung wegfiel. Da fielen die Beförderungspreise aus
mehreren Gründen so richtig in den Keller und viele skrupellose,
Auftraggebende Unternehmen nutzten die Gunst der Stunde, gewissermaßen
für „einen Apfel und ein Ei“ ihre Fuhren machen zu lassen. Oder bei
fehlender „Kooperation“ des Spediteurs damit zu drohen, dass es künftig
wohl nichts mehr zu fahren geben würde. Hier boten sich also
(vorübergehend) geradezu sagenhafte Einsparungen bei den
Beförderungsentgelten an – und andererseits erhöhte man zum selben
Zeitpunkt die Papierpreise so heftig, dass binnen kürzester Zeit ein
massiver Auftragsrückgang stattfand. Und die eigenen Lager wurden immer
voller und platzten zunehmend aus allen Nähten. Nun – und so wurde
nichts aus der milchmädchenhaften Rechnung…
In einem gewissen Werk besaßen die Verladearbeiter für lange Jahre sogar
den Nerv, jedem Fahrer noch 5 DM als Beladehilfe abzuknöpfen. Dafür
wurde immerhin auch eine Quittung ausgestellt, so dass man sicher sein
konnte, diesen Betrag wieder von der eigenen Firma zurück zu erhalten.
Auf jeden Fall hatten die Verladearbeiter und Staplerfahrer in jenen
Zeiten ein hübsches und vor allem steuerfreies Einkommen! Und von ihrem
eigenen Grundverdienst her hätten die uns Fahrer sowieso alle auslachen
können. Selbst saisonale Aushilfen bekamen in dem Werk fast schon
fürstliche Stundenlöhne.
Zum Glück fanden und finden LKW-Verwiegungen unterwegs nur so sehr
selten statt, dass man in der Regel davon ausgehen kann, dass man nicht
mit seiner Überladung auffliegt. Denn rein optisch ist von außen am LKW
diese Überladung praktisch nicht zu erkennen. Die Luftfederung und die
robusten Reifen sorgen schon dafür, dass man so vom Anblick des LKWs her
nichts merkt…
Auch die Papier verladende Industrie gehört ganz oben auf eine Liste von
Firmen, die streng kontrolliert werden sollten. Aber da ist ja im Grunde
noch wesentlich mehr im Busch bei diesen Papierfabriken: nicht nur, dass
sie gerne LKWs überladen mit Rollenpapier rausschicken! Nein, vom
Produktionsprozess her stimmt es auch schon im Vorfeld hinten und vorne
nicht: Scharen von LKWs liefern ja für die Papierproduktion entweder
Holzstämme, Holzschnitzel, Kaolin, Altpapier, usw. an. Und sehr viele
dieser Fahrzeuge sind ja auch schon häufig deutlich überladen – also im
Bereich von über 42 Tonnen Gesamtgewicht!
Eigentlich sollte das, weil das ja schon seit langen Jahren so Usus ist,
den Behörden bekannt sein und sie dagegen auch einschreiten! Aber? Es
passiert seltsamerweise nichts! Man beschränkt sich darauf, so
gelegentlich mal zwar die Fahrzeuge zu kontrollieren und dann ggf. den
Fahrern eine ordentliche Geldbuße oder sogar Punkte zu verpassen – aber
den wahren Übeltätern, den Versendern und Empfängern, sowie den
ebenfalls antreibenden und anschaffenden Fuhrunternehmern, geht es nicht
an den Kragen! Ist doch schon eigenartig – oder?! Warum herrscht hier so
wenig Interesse der Behörden? Sollten solche großen Arbeitgeber wie z.B.
Papierfabriken tatsächlich eine so große Macht und Einfluss besitzen,
dass sich niemand traut oder Interesse hat, diese ungeheuerlichen
Zustände zu beseitigen…
Was mir damals auch aufgefallen ist: sofern das Papier durch Österreich
transportiert werden musste, also etwa nach Italien, war es sehr gut und
unproblematisch möglich, den LKWs dann nur die eigentlich auch
tatsächlich zulässigen rund 21 bis 23 Tonnen (je nach LKW-Typ)
aufzuladen! Man wusste ja genau, dass es an der österreichischen Grenze
sehr wahrscheinlich war, dass eine Verwiegung stattfand. Und bei
Überladung waren die Österreicher - berechtigterweise! – schon immer
sehr rigoros! Da wurde nämlich die Weiter- oder Durchfahrt glatt
verweigert, bis das Übergewicht abgeladen war… Und seltsam, seltsam: da
kann mal also plötzlich doch gesetzlich zulässige Mengen versenden! Nur
beim Versand innerhalb Deutschlands und bei anderen EU-Ländern, da
kümmert man sich keinen Pfifferling um geltende Gesetze!
Zum Thema Ladungssicherung ist noch zu sagen, dass es in den 90er Jahren
noch ein konsequenzenreiches Haus- und Hofverbot bedeutet hätte bei
wenigstens einer dieser Papierfabriken, wenn ich es gewagt hätte, zur
Sicherung der tonnenschweren Papierrollen Sicherungsgurte zu benutzen.
Das war seinerzeit noch strengstens verboten! Und heute, seitdem vom
Gesetzgeber selbst strengste Auflagen und Vorschriften eingeführt worden
sind in dieser Richtung? Da hat es sich genau ins Gegenteil verkehrt! Da
würde man ein Haus- und Hofverbot riskieren, wenn man eben keine Gurte
benutzen würde!
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