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Da war gewissermaßen das ganze denkbare Spektrum
geboten! Allerdings muss ich zugeben, dass man mit den meisten gut
auskommen konnte und durchaus eine gewisse Kollegialität unter den
Fahrern gegeben war.
Natürlich konnte man nicht jedem alles erzählen, denn einige wenige der
Kollegen versuchten immer wieder ihre Position zu verbessern, indem sie
sich im Büro beim Disponenten oder etwa dem Chef wichtig machten und
Kollegen anschwärzten. Ich bekam allerdings einige Male mit, wie eben
genau im Büro über diese Herren wirklich gedacht wurde und dass man sie
für eher nützliche Idioten hielt, über die man hinter vorgehaltener Hand
sich amüsierte…
Überhaupt gehörte das ja auch zu den bewusst praktizierten Strategien
des Disponenten und vom Chef, dass man alles dafür tat, dass ja nur
keine Einigkeit und Frieden zwischen den Fahrern herrschte. Mit dem
Druck und dem teilweise recht miesen Klima, das man dadurch erzeugte,
konnte man ja bequem und häufig erfolgreich das Touren- und
Leistungspensum nach oben schrauben. Und das ohne, dass dies die
Spedition mehr gekostet hätte – denn Leistungsprämien gab es ja nicht
und bezahlt wurde nur für alle derselbe Pauschallohn. Eigentlich kaum zu
glauben, dass nur so wenige Fahrer überhaupt diese fast überall
praktizierten fiesen Methoden durchschauen!
Und genau diese „lieben“ Kollegen, die für höheren Leistungs- und
Arbeitsdruck sorgten durch ihr schlichtweg hirnloses und schleimiges
Verhalten, jammerten dann über kurz oder lang außerhalb der Firma über
die viele und immer mehr werdende Arbeit… Soll man über solche Leute,
die einem selbst auch vermehrt Probleme in der Spedition bescheren, dann
vielleicht auch noch Tränen des Mitleids vergießen? Sicher nicht!
Ein in den ersten Jahren seiner Betriebszugehörigkeit noch sehr
überengagierter Kollege – der sonst eigentlich „nicht ohne“ und ein
netter und hilfsbereiter Typ war – lieferte etwa ein hübsches Beispiel
dafür, wie man etwa eine Tour „kaputt fahren“ kann. Damit meine ich,
dass ein bestimmter Tourenablauf, der vorher eigentlich vernünftig
geplant war und durchgeführt wurde, durch diesen Fahrer systematisch und
eben unvernünftig verkürzt wurde – mit sogar der üblen Auswirkung, dass
ein anderer Kollege, der sonst regelmäßig diese Tour gefahren hatte,
selbst kündigte, weil er den neuen Ablauf für unerträglich hielt.
Sie können sich das Ganze etwa so vorstellen: Ursprünglich lud man mit
dem Hängerzug, der auch als Kipperzug ausgelegt war, am
Donnerstagvormittag südlich von Augsburg Papierrollen. Diese waren für
eine Druckerei in Chemnitz bestimmt. Bequem konnte man am Abend
desselben Tages dann noch diesen Ort erreichen und eine vorgeschriebene
Pause machen. Wenn man „Glück“ hatte, war man für den ersten
Entladetermin gegen 4 Uhr früh am Freitagmorgen avisiert und konnte dann
beizeiten und zu einer relativ günstigen Zeit, was die Verkehrslage
anging, weiter über Dresden nach Königswartha fahren. Dort an der
Ladestelle musste man dann den gesamten Zug aufplanen – was mit dem „Edscha“-Schiebeverdeck
natürlich keine große Arbeit war. Dann wurde aus einem Silo Kaolin auf
die Ladeflächen befördert. Ein weißes Material, das zur
Papierherstellung sehr wichtig ist. Anschließend konnte man bei halbwegs
passabler Verkehrslage im Rahmen der gesetzlich möglichen
Maximal-Tageslenkzeit von zehn Stunden nach Hause auf den Betriebshof
fahren. Den erreichte man halt am späten Abend und dann war erst einmal
Wochenende angesagt. Angeliefert und abgekippt werden musste das
Material bei der Papierfabrik in Augsburg dann erst am Montagmorgen um 8
Uhr. Soweit war also diese Tour ursprünglich geplant und so wurde sie
auch passabel durchgeführt.
Als der bewusste leicht überengagierte Kollege zunehmend stellvertretend
diese Tour bekam, fing dieser (von sich aus!) an, dieses Kaolin nicht
erst am Montag, sondern schon Samstagfrüh abzukippen. Der Pförtner war
dort offensichtlich gerne gegen ein kleines Trinkgeld be-reit, den LKW
auf das Gelände zu lassen. Und der Spedition war das ja gerade recht,
wenn der Lastwagen noch zum Wochenende leer wurde. So konnte man am
Montag noch eher wieder Ladung aufnehmen. Mir persönlich war das sehr
schleierhaft, warum sich der Kollege zu so etwas hergab – nur zu
offensichtlich wurde die in dieser Spedition relativ unübliche
Samstagsarbeit fast nie bezahlt! Also was – außer zweifelhaften
„Pluspunkten“ – brachte das wirklich diesem Kollegen?! Sofern ich auf
diese Tour eingeteilt war, weigerte ich mich standhaft und erfolgreich,
für das Abladen am Samstag eingespannt zu werden – und zwar ohne dass
dies für mich Konsequenzen bedeutet hätte!
Einige Zeit später bekam ich dann noch die verschärfte Variante dieser
Tour mit: zufällig war es am Freitag sehr gut gelaufen in Königswartha
und dann auf dem Rückweg noch in Ost-Deutschland. Wie üblich, machte ich
nach 4,5 Stunden Lenkzeit die vorgeschriebene Pause. Als diese gerade zu
Ende ging, klingelte unerwartet das Telefon. Allein das kam mir schon
seltsam und verdächtig vor! Normalerweise hatte man bei dieser Tour nie
mit einem Anruf aus der Spedition zu rechnen. Es sollte sich
herausstellen, dass mein Herr Disponent wissen wollte, wie weit ich
schon auf der Heimfahrt gekommen sei. Ich beschloss, vorsichtig zu sein,
und behauptete, dass ich jetzt erst meine vorgeschriebene
Lenkzeitunterbrechung machen müsste. Dann folgte die Frage, wann ich in
Augsburg sein würde. Ich stellte die Gegenfrage, warum dies von
Bedeutung sei. Und da musste ich mir doch tatsächlich anhören, dass
plötzlich erwartet wurde, dass ich noch am selben Abend abkippen sollte!
Da hörte sich doch alles auf! Man konnte ja schon von Glück sprechen,
wenn man bei dieser Tour am Freitag mit den maximal erlaubten zehn
Stunden Lenkzeit zu Recht kam und dann hatte man ja auch schon eine
Arbeitsschicht von rund 16 Stunden zusammen. Und jetzt sollte man auch
noch am selben Tag abkippen – mit der Aussicht, dass man dann wenigstens
18 Stunden Schicht zusammen brachte! Nicht mit mir…
Erwartungsgemäß reagierte der Disponent gereizt und stellte einmal mehr
die kühne und tatsächlich voll verlogenen Behauptung auf: „Alle anderen
schaffen das – nur DU nicht!“ Ich konterte gelassen: „Erstens bin ich
nicht „Alle anderen“ und zweitens handelt es sich tatsächlich nur um
einen bewussten Kollegen, der das mit sich machen lässt!“ Daraufhin fiel
ihm nicht mehr viel ein und er „drohte“ an, später noch einmal
anzurufen. Das machte er allerdings nicht, sondern vielmehr rief mich
der Chef persönlich an. Aber auch von dem ließ ich mir nichts bieten
oder androhen – und so mussten sie meine Entscheidung respektieren.
Aber natürlich war solcher Widerstand gegen unnötige Überschreitung von
Vorschriften und Bestimmungen immer eine gewagte Sache! Man wusste nie
wirklich, ob einem nach so einer Weigerung Schikanen oder andere
Konsequenzen drohten…
Der Kollege, der die geschilderte Tour von Anfang an unter normalen
Bedingungen gefahren hatte und der unter dem Druck, den ihm der leicht
überengagierte Fahrer beschert hatte, zu-nehmend litt, zog für sich die
Konsequenz, dass er schließlich kündigte! Und so was ist ja schon recht
heftig!
Aber der Witz am Rande: genau dieser leicht überengagierte Kollege, der
selbst zu jenen gehörte, die am Pensum nach oben schraubten, war auch
genau einer von der Sorte, dass er sich außerhalb der Firma massiv bei
seinen Kollegen über den zunehmen unerträglich hohen Arbeitsdruck
beschwerte! Da kann man nur sagen: „Blöd gelaufen!“ Hätten er und die
paar anderen Konsorten sich vorher überlegt, was sie anrichten, hätten
auch sie ein leichteres Arbeits-leben haben können… Und von der Sorte
finden Sie fast in jedem Fuhrunternehmen welche… Traurig, aber wahr!
Wie schon vorher einmal erwähnt in diesem Artikel, waren auch die jungen
Kollegen so ein Thema für sich – teilweise könnte man die Erlebnisse mit
ihnen einteilen unter dem Stichwort „Freud und Leid“:
Einer etwa fing in der Spedition als wirklich blutiger Anfänger an und
bildete sich gleich ein, unbedingt in der „Königsklasse“ anzufangen –
auf einem Wechselbrücken-Hängerzug! Letztendlich besser wäre es für ihn
gewesen, wenn er (was in dieser Firma selbst aber gar nicht möglich
gewesen wäre!) erst einmal kleine Brötchen gebacken und auf einem
kleineren LKW angefangen hätte. Denn mit diesem für ihn ungewohnten und
großen Fahrzeug, dessen sichere Bedienung schon ein erhebliches Maß an
Erfahrung benötigt, war er – wie sich schon bald herausstellen sollte –
schlichtweg überfordert. Eigentlich auch unverständlich, warum der Chef
so einem Mann ein noch dazu fast neuwertiges Fahrzeug anvertraute! Es
dauerte nämlich nicht lange und das Fahrzeug wies von vorne bis hinten
immer mehr Beschädigungen auf. Und die größten Schwierigkeiten taten
sich fast erwartungsgemäß beim Umbrücken auf. Der junge Kollege konnte
natürlich in dem einen Zentrallager für Baustoffe, wo wir bis zu dreimal
an einem Tag die Wechselbrücken tauschen mussten, nicht so flott die
Brücken wechseln. Teilweise benötigte er bis zu einer Stunde dafür – was
bei uns routinierten Fahrern in durchschnittlich 20 Minuten erledigt
war. Also kam er häufig dabei in Verzug und Zeitdruck. Na-türlich hatten
wir Verständnis für ihn und halfen ihm immer wieder – aber da kam vor
allem für ihn selbst kein Gefühl der Zufriedenheit auf. Denn diese
Verzögerungen führten regelmäßig zu unseligen Diskussionen entweder mit
dem Disponenten oder der Versandleitung des Zentrallagers. Und so sollte
es tatsächlich nur rund 14 Wochen dauern, bis er selbst entnervt das
Handtuch warf. Und das war wirklich schade, dass ein junger Kollege, der
so engagiert und idealistisch seinen Job angefangen hatte, deswegen
relativ früh an sich selbst scheiterte, weil er zu schnell zu viel
wollte. Ich selbst musste, obwohl mir das zu Beginn meiner
„Fahrerkarriere“ überhaupt nicht passte, auch mal klein auf einem
„popeligen“ Siebeneinhalb-Tonner anfangen – und nicht etwa auf einem
ausgewachsenen 40-Tonner. Und geschadet hat es mir nicht, sondern war
vielmehr vernünftiger.
Ein weiterer junger Kollege, der wegen kleinerer vorgekommener
Fahrfehler schon bei etlichen Kollegen gewissermaßen seinen Ruf weg
hatte, machte einmal den – so lächerlich das auch klingen mag –
kapitalen Fehler, seine Mutter mitzunehmen auf eine Tour. Leider wurde
dabei beobachtet, dass seine Mutter den Straßenatlas auf ihren Knien
hatte (wie das ja sonst mit schöner Regelmäßigkeit bei Urlaubern zu
beobachten ist…). Und prompt hieß es dann voreingenommener- und
hämischerweise, dass er wohl seine Mutti zum Kartenlesen mitnehmen
müsste, weil er sonst auch nicht mehr nach Hause finden würde… Ja –
nicht nur Kinder können grausam sein, sondern auch die „lieben“
Kollegen! Verständlich, dass der junge Mann es nicht zu lange in der
Spedition aushielt bei solchen miesen Anfeindungen. Aber irgendwo gibt
es ja eine höhere Gerechtigkeit: in seiner nachfolgenden Firma kam er
dann tatsächlich als „die große Nummer“ raus und erwarb sich dort einen
Ruf als hervorragender und zuverlässiger Fahrer! So kann es auch gehen…
Ich selbst bekam auf eine Tour auch einmal einen jungen und noch
unerfahrenen Fahrer – eine vorübergehende Aushilfe - mit, der sich aber
recht geschickt anstellte. Aber der sollte unerwartet auch noch seine
Portion an „Schicksalsschlag“ mitbekommen! Und das kam so:
Ich bekam ihn auf eine 2-Tages-Tour nach Cottbus mit. Dort mussten wir
morgens bei einer Druckerei Papierrollen abladen. Unmittelbar vor uns
hatte noch ein weiterer Kollege aus unserer Spedition abgeladen. Da es
zu diesem Zeitpunkt sehr wahrscheinlich war, dass es aus der Gegend
keine Rückladung in Richtung Augsburg geben würde und wir daher leer
nach Hause fuhren, beschloss dieser Kollege auf uns zu warten. Sowohl
erst sein Anruf, als nachher auch unser Anruf beim Disponenten ergab,
dass wir leer in Richtung Heimat ziehen soll-ten. Von Cottbus weg ließ
ich wieder meinen jungen Mitfahrer ans Steuer. Voran fuhr der andere LKW
unseres Kollegen. Über das Funkgerät hielten wir Kontakt miteinander.
Kurioserweise war es schon von der Abfahrt aus Cottbus weg ein Thema,
dass der andere Kollege meinen Beifahrer, der ja momentan am Steuer saß,
immer wieder dazu verleiten wollte, schneller als Tempo 70 auf der
Bundesstraße und wenigstens Tempo 90 auf der Autobahn zu fahren. Ich
schärfte daher dem jungen Kollegen ein, immer nur das zu machen beim
Fahren, was er auch selber verantworten könne. Und sich nicht etwa durch
jemand anderen zu Übertretungen verleiten zu lassen. Denn von dem
anderen, uns voraus fahrenden Fahrer wusste ich ja, dass dieser ein
großes Schlitzohr war, der immer gerne so seine kleine Spielchen und
Schelmereien mit anderen trieb. Da ich ein gutes Gefühl hatte beim
Fahrstil meines Beifahrers, entschied ich mich dafür, hinten in der Koje
ein wenig „Augenpflege“ zu betreiben. Ich schlief soweit recht gut und
tief, bis ich durch lautes Jammern wach wurde: „Oje – jetzt haben Sie
mich! Hätte ich mich nur nicht verführen lassen! Das wird teuer…!“ Ich
fragte, was los sei und setzte mich wieder auf den Beifahrersitz. Und da
sah ich schon, was Sache war: wir mussten einem Polizeifahrzeug auf den
Parkplatz folgen. Auf der Strecke zwischen Chemnitz und Hof war mein
junger Kollege offensichtlich recht flott hinter unserem anderen Fahrer
hinterher gefahren und hatte schließlich an einer Steigung ein dort
geltendes LKW-Überholverbot missachtet. Der andere Fahrer hatte den
Überholvorgang scheinbar noch vor Beginn des Überholverbots geschafft
und war schon lange außer Sichtweite. Die Polizeikontrolle ging flott
über die Bühne und der Übeltäter musste eine ordentliche Strafe
abdrücken. Ein Punkt in Flensburg war selbstredend ebenfalls fällig.
Mein junger Kollege hatte im Überholverbot überholt, ohne zu
registrieren, dass schon das zweite oder dritte Fahrzeug hinter ihm ein
Polizeifahrzeug war. Das war eben so ein Punkt, den er auch erst noch
lernen musste: viel mit den Rückspiegeln arbeiten. Vor allem, wenn man
etwas tun möchte, was nicht ganz koscher ist. Mein Beifahrer war völlig
geknickt und seufzte, dass es mit seiner großen „Trucker-Karriere“ wohl
nun vorbei sein würde… Er war so niedergeschlagen, dass es auf der
Weiterfahrt nicht mehr möglich war, ihn aufzumuntern. Nach dieser
Kontrolle war ohnehin ein Fahrerwechsel fällig und so fuhr ich weiter.
Am nächstfolgenden Parkplatz erwartete uns bereits der andere Kollege.
Er als der eigentliche Übeltäter und Verführer machte sich natürlich
recht lustig über das Malheur von meinem Beifahrer. Als der junge
Kollege seine Aushilfstätigkeit beendete, fand ich einen kleinen Brief
von ihm in meinem Fach in der Spedition. Darin teilte er mir mit, dass
er bezüglich des Fahrerjobs wieder neuen Mut geschöpft hätte – und nun
sicher sei, dass doch noch eine „glorreiche Trucker-Karriere“ ihm
bevorstehen wür-de…
Jetzt sollten Sie aber nicht unbedingt glauben, dass im wahrsten Sinne
des Wortes „erfahrene“ Fahrer frei von der Möglichkeit sind, dass auch
ihnen ein Malheur oder eine Unachtsamkeit passieren könnte. Auch hier
gab es wenigstens ein Beispiel in dieser Spedition. Konkret geht es um
das heikle Thema, wenn einer vergisst die Feststellbremse zu betätigen,
wenn er das Fahrzeug abstellt. Genau das passierte einem älteren
Kollegen, als er sich kurz in einer Tank-stelle etwas holen wollte. Als
er zurückkam, hatte sich sein LKW schon von alleine „aus dem Staub“
gemacht. Zum Glück kam niemand zu Schaden und der LKW an einem Gebüsch
zu stehen – auch nur mit leichten Beschädigungen an einer Seite des
Führerhauses. Später bekam ich noch einige Male mit, dass dieses
Versehen scheinbar eher ein Problem sonst routinierter Fahrer zu sein
scheint. Und ich persönlich habe durchaus immer einen ganz speziellen
Blick nochmals zum Feststellbremshebel, bevor ich das Fahrerhaus
absperre! Vieles – wie das Betätigen der Feststellbremse beim Anhalten
und Abstellen des LKWs - macht man zwar ganz automatisch und aus der
Routine heraus, aber wer ist schon davor sicher, dass ihm nicht einmal
selbst eine Unachtsamkeit passiert. Möglichkeiten dafür gibt es ja
prinzipiell mehr als einem lieb sein kann!
In meinen weiteren Ausführungen zum Themenbereich der „Kollegen“ zeige
ich jetzt noch auf, dass man auch hier (bei knapp über 30 Fahrern) von
einem echten Individualisten-Club sprechen konnte – an „Persönlichkeiten
und Typen“ war echt fast alles geboten:
- einer war ein absoluter und schon fast krankhafter
Sauberkeitsfanatiker. Der hielt vor allem sein Führerhaus so
super-sauber, dass man schier vom Boden sogar hinter dem Fahrersitz
hätte essen können. Üblicherweise ist das nämlich eine Stelle, an der es
sonst eher recht staubig und dreckig zugeht. Meinem Disponenten machte
es zweimal besonderen Spaß, mich als Springer auf dieses Fahrzeug zu
setzen, weil er wusste, dass das für mich extra viel Arbeit bedeuten
würde, das Innere des Fahrerhauses vor der Übergabe in den ganz
besonderen Sauberkeitsstand zu bringen. In beiden Fällen ließ ich mir
übrigens den picobello Übergabezustand anschließend noch vom
Werkstattmeister bestätigen – hätte nämlich durchaus sein können, dass
wiederum mir einer danach noch einen Streich gespielt hätte, bevor der
pingelige Kollege in der Folgewoche sein Fahrzeug wieder übernahm…
- üble und miese Streiche sind übrigens auch wenigstens zweimal
vorgekommen: da wurde dann beim abgestellten Hängerzug heimlich die
Anhängerkupplung aufgemacht. Mit der Folge, dass dann später beim
Anfahren (die jeweiligen Fahrer hatten diese Manipulation vor der
Abfahrt nicht bemerkt) die Schläuche und Kabel abrissen oder beschädigt
wurden! Eigentlich sollte man es wirklich nicht glauben, dass solche
Schweinereien unter „Kollegen“ vorkommen können…
- sonderbar auch das Verhalten eines weiteren Kollegen: vor meinen Augen
packte er „sein bestes Stück“ aus und pinkelte an das Fahrerhaus eines
Kollegen, den er nicht so gut leiden konnte…
- einen anderen hätte man zur Kategorie „Maulhuren und Angeber“
einordnen können. Der hatte auf den Windabweiser seines LKW oben auf dem
Fahrerhaus mit großen Lettern das Wort „Power-Schiff“ gepinselt –
übrigens mit Genehmigung des Chefs. Mir und anderen gegenüber behauptete
er allen Ernstes, dass er privat zuhause den Motor seines Lastwagens
getunt und leistungsfähiger gemacht hätte… Er wurde nicht einmal rot bei
diesen Aufschneidereien!
- natürlich gab es in unseren Reihen auch „echte Trucker“: einer fuhr
den einzigen Scania-Hauber und hatte für etliche Tausend Mark
Chromzubehör für das Fahrzeug gekauft! Das fiel aber erst da richtig
auf, als er gekündigt hatte und der ganze Schnickschnack plötzlich
weggebaut war. Ein anderer dagegen, der es aber nur sehr kurz bei uns
machte und der zu Beginn auch die ganz große Klappe hatte, was er schon
in Sachen Fernfahrerei für Heldentaten und Wahnsinnstouren vollbracht
haben wollte, lieferte ein hübsches Beispiel für seine wahren
Kenntnisse: entgegen der geltenden Vorschriften tankte er eine
Fahrstunde vor dem Betriebshof noch an einer Autobahntankstelle seinen
LKW ganz auf. Eigentlich sollte man das, weil es die Spedition
wesentlich günstiger kam, bei der betriebseigenen Tankstelle machen.
Aber bei dieser Gelegenheit setzte er eben gleich noch einen drauf:
statt Diesel tankte dieser „Trucker“ sage und schreibe 400 Liter
Superbenzin!!! Da fällt einem doch gar nichts mehr ein, wie jemand so
etwas fertig bringen kann. Durch diese heldenhafte und oberschlaue
Aktion waren natürlich noch erhebliche Folgekosten fällig (den Sprit
abpumpen usw.!).
- einer der vermeintlichen Lieblinge des Chefs (der Kollege hielt sich
selbst dafür, weil er keine Schleimerei ausließ) hatte einmal sogar die
gewissenlose Dreistigkeit, einen Fahrer aus einer ganz anderen Spedition
beinahe um seinen Arbeitsplatz zu bringen! Bei jeder Gelegenheit, wo er
den Lastzug dieses Fahrers aus der anderen Firma stehen sah, rief er
sofort bei dessen Chef an und vermeldete den Standort. Diese Story
erzählte mir übrigens der angeschmierte Fahrer selbst, als ich ihn bei
einer Entladestelle in Regensburg traf und dieser mir kollegialerweise
zur Hand ging. Ich fand das äußerst bemerkenswert, dass er mir half,
obwohl ein anderer Fahrer aus meiner Spedition ihm große Probleme
eingebrockt hatte – und die ihn beinahe seinen Arbeitsplatz gekostet
hätten. Wobei ich mir allerdings auch denken musste, dass der Mann
selbst wohl auch einen recht seltsamen Chef hatte…
- eine spezielle Sorte unter den Kollegen war die so genannte „Bierautomat-Fraktion“.
Bei diesen Herren musste man auch sehr vorsichtig sein, was man
erzählte. In der Werkstatthalle gab es neben den Fahrer- und
LKW-Papierfächern auch einen Bierautomat. Und am Feierabend – vor allem
am Freitagabend – konnte man mit schöner Regelmäßigkeit vor allem diese
paar Herren antreffen. In meinen Augen auch scheinbar „Heimatlose“. Was
kann einen denn wirklich noch in der Firma bei den „Kollegen“ halten
nach mehreren Tagen unterwegs und einem langen Arbeitstag?! Ein schönes
Zuhause und die Frau oder Freundin sind doch wesentlich verlockender!
Was also diese besagten Herren angeht, so war doch immer wieder
bemerkenswert, mit welch „gespaltener Zunge“ sie zu sprechen wussten:
von ihren Sprüchen am Bierautomat in der Firma hätte man glauben können,
dass sie 150-prozentige Mitarbeiter waren – alles schien super und in
Ordnung zu sein in dem Fuhrunternehmen. Traf man aber dieselben Kollegen
irgendwo außerhalb, dann waren sie wie ausgewechselt, klopften ganz
andere Sprüche und beklagten sich plötzlich über allerlei Missstände im
Betrieb!
Dieses gemütliche Zusammentreffen am Automat sollte allerdings eines
Tages doch für eine ganze Weile eine empfindliche Störung erfahren:
nämlich da, als binnen weniger Wochen drei von diesen Fahrern nach ihrem
alkoholseligen Beisammensein auf der Heimfahrt im Pkw in
Polizeikontrollen gerieten und jeweils für einen Monat ihren Schein
abgeben mussten! Das gefiel dem Chef natürlich überhaupt nicht, dass so
unerwartet und auf so blöde Weise einige Fahrer ausfielen – also wurde
ein absolutes Alkoholverbot im Betrieb ausgesprochen. Allerdings nicht
sehr konsequent oder etwa nachhaltig: kaum zwei Monate nach diesen
Vorkommnissen wies der Automat bereits wieder die beliebte Füllung auf…
- der Großteil der Fahrerschaft (30 von 33 Fahrern) wurde mit
Abmahnungen bedacht, als in den frühen 90er Jahren das Telefon Einzug
hielt in die Fahrerhäuser. Vorerst waren diese nämlich völlig frei zu
benutzen und irgendwo hatten die meisten wohl keine Vorstellung von den
entstehenden Gesprächskosten. Seinerzeit waren Handys für „Otto
Normalverbraucher“ noch kein wirkliches Thema, weil ganz einfach noch zu
unerschwinglich. Also diese 30 Kol-legen – ich und zwei andere konnten
der Versuchung widerstehen! – nutzten begeistert privat diese neue
Möglichkeit. Der Spitzenreiter unter ihnen brachte aus dem Stegreif in
den ersten Wochen gleich eine Rechnung von weit über 1000 DM zusammen,
weil er sogar seine Verwandtschaft in den Vereinigten Staaten über diese
neue technische Errungenschaft auf diesem Wege unterrichten wollte. Als
die ersten Telefonabrechnungen in der Spedition eintrafen, fiel man aus
allen Wolken und es hagelte eben Abmahnungen. Offensichtlich hatten auch
einige der Fahrer gedacht, dass die Firma für ihre Privatgespräche
aufkommen würde und vielleicht auch nicht daran gedacht, dass es zu
jedem Telefon eine Einzel-Gesprächskostenauflistung geben könnte. Ab da
waren die Telefone natürlich für privaten Gebrauch gesperrt. Die
Abmahnungen wurden übrigens nach kurzer Zeit wieder zurück genommen –
sie sollten wohl ein deutlicher Warnschuss sein, dass man die Sache als
ernsten Vertrauensbruch ansah.
- abgesehen also von den zuvor erwähnten Kollegen und ihren Eigenheiten
kann man aber durchaus von der breiten Mehrheit sagen, dass sie auch nur
einfach in Ruhe ihren Job machen wollten und durchschnittlich weder in
zu positiver, noch zu negativer Hinsicht auffielen. Wie schon erwähnt,
konnte man eigentlich fast mit allen relativ gut auskommen.
Aber wie das nun mal so ist – und nicht nur in der Speditionsbranche –
galt aber auch in dieser Firma der sehr treffende Spruch (Anmerkung: den
habe ich einmal als Kritzelei in der Toilettenanlage eines Stahlwerks
gelesen und der hat durchaus so seine Richtigkeit!): „Arbeitskollegen
sind Leute, mit denen man privat nichts zu tun haben möchte“. Wobei
selbstverständlich auch hier Ausnahmen diese Regel bestätigten –
gelegentlichen privaten Umgang pflegte ich mit zwei bis drei der
Kollegen.
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