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1901 bis 1910

15.4.1901        Preußen macht den Vorreiter und in Berlin wurde erstmals eine Polizeiverordnung über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen erlassen. Darin wurde auch die Kennzeichnung der Motorwagen geregelt. An deren Rückseite mussten an leicht sichtbarer Stelle und in deutlich lesbarer Schrift die Bezeichnung der zuständigen Polizeibehörde und eine Erkennungsnummer angebracht sein. Außerdem regelte sie die Betriebssicherheit durch eine Typengenehmigung. Ferner hatte der Autobesitzer eine Bescheinigung über die Eintragung in die polizeiliche Liste und die Erkennungsnummer, gewissermaßen als Vorläufer des Kfz-Scheins, sowie einen Nachweis über die Vertrautheit mit dem Fahrzeug, also einen Vorläufer des Führerscheins, mitzuführen.

1902                Der US-Autohersteller Packard erhält das Patent für seine „H“-Anordnung der Gangschaltung – die später sich dann weltweit als Standard durchsetzt.

                        Robert BOSCH erfindet die Zündkerze. Zusammen mit G. HONOLD entwickelt er die Hochleistungs-Magnetzündung für Verbrennungsmotoren.

                         Die Patentanmeldung des "Wirbelstromtachos" von Otto Schulze beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin (Info: Danke an Frau Jessika M. Gallitz / Siemens VDO Automotive AG / Corporate Communications / 65824 Schwalbach /// Wer gerne weitere Infos zur Geschichte des Tachometers haben möchte, findet laut Frau Gallitz auf diesem Link noch mehr dazu: www.siemensvdo.de/de/pressarticle2002.asp?ArticleID=11001d)
 

23.6.1902        Der Name "Mercedes" wird als eigenständiges Warenzeichen angemeldet und dann schließlich am 26.9.1902 tatsächlich gesetzlich geschützt.

1903                Der Franzose Gustave Lebeau lässt sich einen seinerzeit noch „Sicherheitsgürtel“ genannten Sicherheitsgurt patentieren. 1985 wird das Deutsche Patentamt den Sicherheitsgurt als eine der acht wichtigsten Erfindungen der vergangenen 100 Jahre erklären.

                        Der niederländische „Spyker“ hat als erstes benzinbetriebenes Fahrzeug an der Vorderachse Trommelbremsen.

                        Ein „Columbia“-Elektro-LKW hat die erste Servolenkung.

                        Die Automobilpresse jener Zeit empfiehlt den Wagenbesitzern, sich einen „Tempo-Registrator“ in ihr Fahrzeug einzubauen – als Präventivmaßnahme und zum „Selbstschutz gegen unrichtige polizeiliche Denunziation“. Denn Tachometer gehörten seinerzeit eben noch nicht zur Standardausstattung von Pkws. Aber es gab scheinbar auch schon Ausführungen von Tachometern, die eine Art von integrierten Fahrtenschreiber aufzuweisen hatten – allerdings wegen der noch bekanntermaßen großen Ungenauigkeit dieser Aufzeichnungen wurden diese häufig von Gerichten nicht anerkannt als Gegenbeweismittel.

                        Wegen Schneefalls kommt die Amerikanerin Mary Anderson in New York auf die Idee, mittels eines einfachen Mechanismus den allerersten handbetriebenen Scheibenwischer zu erfinden - allerdings scheint sie kein Patent darauf beantragt zu haben (siehe dazu auch 1907).

1904                In Deutschland werden die ersten Luftreifen mit einem Profil angeboten.

                        Der belgische Reifenhersteller ENGLEBERT (später Uniroyal) entwickelt die ersten Spikes-Reifen.

1905                Die Bayerische Post eröffnet die erste Omnibuslinie: von Bad Tölz nach Lenggries.

                        In St. Louis / Missouri / USA wird die allererste Tankstelle der Welt mit Vorratstank in Betrieb genommen. Diese „Zapfsäule“ funktionierte dann folgendermaßen: Durch eine Pumpe und einer Art Gartenschlauch wurde das Benzin aus dem Vorratsbehälter in einen höher gelegenen Tank befördert, aus dem dann die benötigte Menge abgezapft werden konnte.

                        Fahrzeuge von „Sturtevant“ sind die ersten mit Automatikgetriebe.

                        Die Autos von „Simms-Wellbeck“ haben die ersten Stoßstangen.

                       Erste Produktion von Instrumenten nach dem Patent von Otto Schulze

                      (Info: Danke an Frau Jessika M. Gallitz / Siemens VDO Automotive AG / Corporate Communications / 65824 Schwalbach /// Wer gerne weitere Infos zur Geschichte des Tachometers haben möchte, findet laut Frau Gallitz auf diesem Link noch mehr dazu: www.siemensvdo.de/de/pressarticle2002.asp?ArticleID=11001d)

                        Im selben Jahr wird auch noch das Prinzip des Frontantriebs entwickelt.

                         Was nur wenig bekannt ist: 1905 war gewissermaßen auch das Gründungsjahr für einen ganz anderen "Produktionsbereich" der "Daimler-Motoren-Gesellschaft" - ab da stellte man auch selbst in großen Mengen Limonade her für die eigene Belegschaft! Angeblich sollte dadurch das Trinken von Most innerhalb der Arbeiter und Angestellten eingeschränkt werden. Und so kam es zu einer täglichen Produktion von 5000 bis 6000 Flaschen Himbeer- und Zitronenlimonade und Sodawasser. Die Getränke wurden zum Selbstkostenpreis verkauft. In den Büros wurde ab 1916 das Bier trinken völlig verboten - jedoch kam es weiter zum Ausschank in den Kantinen.

19.11.1905      In Berlin werden die ersten Omnibusse mit Benzinmotor eingesetzt.

1906                Reichseinheitliche Einführung des Führerscheins – und damit einhergehend auch ein Beschluss über allgemeine Verkehrsregeln. Außerdem wird ein „Reichs-Stempel-Gesetz“ erlassen – zur Erhebung der Kfz-Steuer.

1907                Im Kaiserlichen Statistischen Amt in Berlin fängt man damit an, Statistiken über Kraftfahrzeuge in Deutschland zu führen.

                        In diesem Jahr sind gerade mal 957 LKWs in Deutschland registriert.

                        Im amerikanischen Seattle gibt es die erste Tankstelle der Welt mit Überdachung – also so wie das heute allgemein üblich ist.

                        In Frankreich werden die ersten, noch handbetriebenen Scheibenwischer angeboten (siehe dazu auch 1903).

Um 1908         Erfindung von elektrischen Scheinwerfern und Tachometern.

1908                Die „Rudge“-Zentralverschlußfelge wird eingeführt. Ab nun ist es möglich, bei einer Reifenpanne ein Ersatzrad zu montieren. Bis dahin war es noch üblich, am festmontierten Rad den defekten Reifen auszuwechseln.

                        Das erste Stop-Licht – Marke „Solonux“ – kommt auf den Markt und zwar in Frankreich. Interessanterweise konnte es mit Öl, Acethylen oder auch sogar elektrisch betrieben werden.

                        Ford USA stellt generell die Produktion von Autos auf links gelenkt (= Lenker ist auf der linken Seite montiert) um. Cadillac folgt diesem Bauprinzip erst im Jahr 1916.

1909/1910       Es wird das Gesetz über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen erlassen. Es enthält auch die allgemeinen Verkehrsvorschriften und eine Haftpflichtverordnung. Mit dem Gesetz wird bereits alles berücksichtigt, was Automobile betrifft: Führerschein, Zulassung, Betriebserlaubnis, Kfz-Steuer, Statistik und technische Überwachung.

                        Hinsichtlich des Führerscheins gibt es ab da auch eine ja bis heute übliche Einteilung in Führerscheinklassen.

                        Zu diesem Zeitpunkt sind im Deutschen Reich immerhin 2004 LKWs, 18.547 Pkws und 21.176 Motorräder zugelassen.

1910                Das Öffnen der Auspuffklappe wird in diesem Jahr strengstens verboten und auch bestraft. Ursprünglich war diese wohl an vielen Fahrzeugen montiert, um zum Zweck der Leistungssteigerung die Verbindung von Motor und Auspuff zu lösen. Ursprünglich war dies auch außerhalb von Ortschaften zulässig. Jedoch im Interesse von Lärm- und Abgasreduzierung sah man sich zu einem Verbot genötigt. Erst zum 1.3.1926 mussten alle zum Verkehr zugelassenen Fahrzeuge nachweisen, dass die Trennung des Motors vom Auspuffsystem nicht mehr möglich war. Ab da war außerdem jegliche belästigende Rauch- und Geruchsentwicklung ausdrücklichst untersagt.

                        In diesem Jahr wurde von Gottlieb Daimlers Söhnen Paul und Adolf der Dreizack-Stern als Firmensymbol der "Daimler-Motoren-Gesellschaft" (DMG) eingeführt. Die Söhne arbeiteten für die DMG in leitender Stellung und hatten nach einem neuen signifikanten Firmensymbol gesucht. Sie sollen sich dabei an eine Ansicht oder Karte von Köln und Deutz erinnert haben, auf der ihr Vater die Position ihres Wohnhauses mit einem dreizackigen Stern markiert hatte. Er machte das, als er von 1872 bis 1881 Technischer Direktor der Gasmotorenfabrik Deutz war und eben dort wohnte.Prophetisch habe er seiner Frau damals gesagt, dass dieser Stern einst segensreich über seinem Werk aufgehen würde... Eine tiefere Symbolik für diesen bekannten Stern sollte es auch sein, dass damit Daimlers Streben nach universeller Motorisierung zu Land, Wasser und Luft zum Ausdruck kam.

1.4.1910          Zur Überwachung des Kraftverkehrs wird im Berliner Polizeipräsidium eine Sammelstelle für Nachrichten über Führer von Kraftfahrzeugen (SNFK) eingerichtet. Es handelte sich dabei bereits um eine Art von Bundesbehörde, die in ihrem ersten Jahr schon 52.485 Führerscheine erteilte – und (nur) 122 einzog. Diese Behörde könnte man als die Urform des Kraftfahrt-Bundesamtes ansehen.

                        Noch zum Thema Führerscheinentzug: Dieser war auch sehr leicht möglich bei Delikten, die tatsächlich außerhalb des Straßenverkehrs stattfanden – wie etwa Eigentumsvergehen, Körperverletzung, Tötungen, Rohheits- und Sittlichkeitsverbrechen. 1913 z.B. wurden 323 Führerscheine entzogen – aber nur ein Viertel davon wegen der Übertretung von polizeilichen Vorschriften.

 

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(Wichtige Anmerkung: Alle Daten wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Ich kann aber logischerweise dafür keine Gewähr übernehmen! Benutzte Quellen finden sich in meinem Buch-Kapitel „Quellen- und Literatur-Nachweis“. Für Anregungen und Anmerkungen oder auch neue Fakten wäre ich natürlich dankbar!)

 

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