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Vorgeschichte

 

Obwohl ich vor über 25 Jahren mal das Abitur so „rein zufällig“ - fast "nebenbei" und mit sagenhaften zwei "Ehrenrunden" - geschafft habe, ist doch die Welt der Akademiker, deren es in meiner Familie etliche gab, nie mein Ding gewesen. So machte ich kurz darauf aus reinem Idealismus den Lkw-Führerschein. Die seinerzeitige Rezession machte mir allerdings einen Strich durch die Rechnung und ein Autounfall in der algerischen Sahara tat ein übriges, so dass ich widerwillig vorübergehend doch noch an der Uni landete – allerdings nicht sehr lange, da mir im März 1985 endlich der Einstieg in die Welt der „Big Wheeler“ gelang. Natürlich musste ich mich erst einmal vom 7,5-Tonner hochdienen, bis ich endlich mal einen 40-Tonner Wechselbrücken-Hängerzug fahren durfte und konnte.

Was ich allerdings nicht erwartet hatte, waren die vielfach üblen und miesen Arbeitsbedingungen, die in der Realität vorherrschen und teilweise wirklich an moderne Sklavenhaltung erinnern. Das amerikanische Prinzip des „Hire and Fire“ feiert hier immer noch fröhliche Urständ. Zu meist mieser Bezahlung kommen jede Menge pauschal bezahlter viel zu vieler Arbeitsstunden und Lenkzeiten. Und trotzdem die Lkw-Fahrer das Rückgrat des Wirtschaftslebens und der öffentlichen Versorgung sind, haben wir nur ein mehr als bescheidenes, um nicht zu sagen, sehr schlechtes Image.

Eine deutliche Sprache spricht hier auch die Tatsache, dass ich mit meinen mehr als 20 Arbeitgebern in über 16 Arbeitsjahren (darunter vier ausländische Speditionen) noch nicht mal eine Ausnahme darstelle, sondern viele andere Fahrer auch schon etliche Arbeitgeber hinter und wahrscheinlich auch noch vor sich haben!

Mich hat dies seit letztem Jahr dahingehend motiviert, damit anzufangen, ein Buch über dieses weitestgehend in der Öffentlichkeit unbekannte Berufsbild zu schreiben. Über meine lieben Arbeitgeber muss ich natürlich anonymisiert schreiben, da es sonst sehr leicht sein könnte, dass eine Prozessflut über mich hereinbricht, wenn ich über die tatsächlichen und wahren Verhältnisse berichte und was alles so an Tricksereien und mieser Behandlung läuft. Gleichzeitig versuche ich allgemein, den Beruf des Fernfahrers der Öffentlichkeit nahe zu bringen – und zwar wie er wirklich ist. Denn abgesehen vom weitverbreiteten Negativ-Image existiert parallel eine seltsame Mysti- und Glorifizierung, die auf der „Trucker“-Schiene läuft. Hier ist es mehr als geboten, endlich mal auf die reale Mitte dazwischen und die bittere Realität des Jobs hinzuweisen

Über die Hälfte meines Buchprojektes, aus dem zwischenzeitlich sogar zwei geworden sind, habe ich jetzt nach einem Jahr zwar geschafft, aber was natürlich auch nicht sehr motivierend ist, das ist die Tatsache, dass von renommierten Verlagen bisher auch überhaupt kein Interesse an der Thematik rüberkommt. Das ist denen wohl nicht ganz geheuer, ein unbequemes und enthüllendes Buch zu veröffentlichen…

Allerlei Lebensgeschichten von dubiosen und tatsächlich eigentlich unwichtigen Leuten werden wesentlich lieber herausgegeben und entsprechend propagiert.

Aber wenn sich da einer aus einer Berufsgruppe, die im Grunde in Deutschland eigentlich auch nach Millionen zählt (wenn man die Zulassungszahlen von LKWs und Sattelzugmaschinen mal in Betracht zieht) und die für die Wirtschaft und vor allem die ganze Bevölkerung DAS ENTSCHEIDENDE RÜCKGRAT darstellt, mal die Mühe macht, die Zeit nimmt und auch noch auf viel zu verdienendes Geld verzichtet, ein Buch über den wahren Sachverhalt der Transportbranche zu schreiben in aller Offenheit, dann taucht in den meisten Verlags-Antwortbriefen nur der laue Wortlaut „…passt nicht in unser Verlagsprogramm…“ auf!

So bewahrheitet sich einmal mehr, dass wir Fernfahrer eben keine Lobby haben!

Nur zu offensichtlich scheint keiner an den entscheidenden Stellen ein wirkliches Interesse daran zu haben, mal endlich wirklich an unserer Situation was zu ändern und vor allem zu verbessern!

Aber so kann es eben nicht weitergehen!

Die Arbeitszeiten müssen endlich mal auf ein normales Niveau heruntergehen: während die ganz breite Masse der arbeitenden Bevölkerung sich schon fast künstlich über (in Augen von Fernfahrern) lächerliche knapp 40 Arbeitsstunden pro Woche aufregt, ist unsereiner schon froh, wenn er mit weniger als 60 (!) Stunden pro Woche "schon" am späten Freitagabend nach Hause kommt. Versucht man außerdem noch die Tachoscheiben „sauber“ zu halten, dann wird es, was auch keine Seltenheit ist, auch mal Samstagmittag!

Auch in Sachen Lohn muss sich endlich mal was tun: in den meisten Fuhrunternehmen wird umgerechnet noch nicht mal annähernd der ohnehin schon mehr als lächerliche Brutto-Stundenlohn von ca. 9 Euro erreicht! Fast alle Arbeitgeber der Transportbranche bequemen sich nur zur Zahlung eines auch mehr als lausigen Pauschallohns! Da lacht der Geldbeutel des Spediteurs und Transportunternehmers: kann er doch, ohne auch nur annähernd rot zu werden, seinen Fahrern ohne irgendwelche Mehrkosten umso mehr Stunden am Steuer aufs Auge drücken. Ein Privat- und Familienleben gestehen die meisten dieser Arbeitgeber ohnehin praktisch nicht ihren Fahrern zu. Wie kann sich da einer der Fahrer auch erdreisten, mal unter der Woche sich abends was vorzunehmen…

Selbst kleine Erledigungen und oder auch wichtige Termine wie etwa beim Arzt stellen fast immer ein mehr oder weniger großes Drama dar, wenn der Fahrer so etwas Mal wahrnehmen will oder sogar muss.

Es ist für einen Außenstehenden ohnehin kaum glaublich und noch weniger nachzuvollziehen, mit wirklich wie viel Menschenverachtung das Fahrpersonal der Branche behandelt wird! Hier passt vielfach noch ganz gut der alte Spruch von der "modernen Sklavenhaltung"! Diese schlimme Erkenntnis läßt manche Fahrer die Sache mit ihrem Arbeitsverhältnis so sehen: "Ich kann gar nicht entlassen werden - Sklaven muss man verkaufen!" Böse Ironie mit viel Wahrheitsgehalt!

Da den Fahrern durch die Art der Arbeitsausübung es ja reichlich unmöglich gemacht wird, sich wirklich mit ihren Kollegen zu solidarisieren (und die Fuhrunternehmer natürlich auch so ihre miesen Mittelchen haben, schon dafür zu sorgen, dass nicht alle an einem Strang ziehen können!) oder sonst Möglichkeiten zu ergreifen, sich für IHRE EIGENE SACHE erfolgreich einzusetzen, muss meiner Meinung nach wieder mal einen Schritt tun und auf die skandalöse Thematik aufmerksam machen!

Ich habe mir das vielleicht wirklich hehre Ziel gesetzt, mich auf dem Wege der Buch- und im Vorfeld auch einer Internet-Veröffentlichung für die berechtigten Belange und Bedürfnisse der Fernfahrerschaft einzusetzen.

Öffentlichkeit und Politik müssen in aller Deutlichkeit auf die nach wie vor herrschenden miesen und ausbeuterischen Arbeitsbedingungen aufmerksam gemacht werden.

Und was die überlangen Arbeitszeiten vor allem am LKW-Steuer angeht:

Ausgeruhte Fahrer stellen im Straßenverkehr für alle anderen und natürlich auch für sich selbst ein erheblich geringeres Sicherheitsrisiko dar! Und durch deutlich reduzierte Arbeitszeiten auf das Maß der „normalen“ Bevölkerung würde auch dafür Sorge tragen, dass in der Branche auch als positiver Nebeneffekt mehr Fahrer-Arbeitsstellen geschaffen werden könnten und vor allem müssten!

Durch Ihr Interesse an der Thematik können Sie mithelfen, dass sich die Gesamtsituation der Fernfahrer – also Leuten, von denen SIE tagtäglich auch etwas haben (z.B. durch die Versorgung mit den Gütern des Alltags!) – möglicherweise mittelfristig deutlich verbessern könnte!

Mittels entsprechender Meinungsbildung durch die Gesellschaft und ihres durchaus vorhandenen Einflusses auf die Politik könnte durchaus in naher Zukunft eine positive Entwicklung zum Wohle aller stattfinden!

Nur zu gerne wird bisher in der öffentlichen Meinung auf den Fernfahrern herumgehackt und verbal auf sie eingeschlagen – verdient hätten das tatsächlich aber die wahren Übeltäter: profitgeile, skrupellose Fuhrunternehmer und eine Gesetzgebung, die ihnen so etwas ohne große Probleme ermöglicht!

Vor allem die Politik ist gefragt, endlich und entscheidend zu handeln!!!

 

Übrigens:

Die deutsche Wirtschaft und große und einflußreiche Unternehmen tragen eine erhebliche Mitschuld an den katastrophalen Arbeitsbedingungen der Fernfahrer! Die folgenträchtige Erfindung und Einführung von "Just in time" und eine Lagerhaltung, die eigentlich auf den fahrenden LKWs stattfindet, sind ganz offensichtlich mit die Hauptgründe für Nichteinhaltung von Lenk- und Ruhezeiten und Geschwindigkeitsvorgaben. Spediteure, die sich hier nicht an die knallharten und terminlich mehr als eng vorgegebenen Transportvorgaben halten, sind "rucki-zucki" draußen aus dem Geschäft und können schauen, wie sie an vernünftige Aufträge kommen!

 



 

 


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